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Ärzte Zeitung, 14.11.2008

Kommentar

Dem Zufall viele Chancen!

Von Angela Speth

Ein englischer Schriftsteller hat den Begriff 1754 geprägt, Soziologen und Informatiker haben ihn aufgegriffen: serendipity, glücklicher Zufall. Er begünstigte auch die Ärzte, die möglicherweise neuen Therapien gegen Aids und Hämangiomen auf die Spur kamen. Beide Male ergab sich durch eine günstige Konstellation von Komorbiditäten bei der Behandlung der einen Krankheit eine Therapie für die andere.

Der Zufall hat in der Wissenschaft Tradition: Der Geistesblitz vom Auftrieb soll Archimedes in der Badewanne gekommen sein, Newton ist doch angeblich dieser Apfel auf den Kopf gefallen. Und wo stünde die Medizin, wenn der Zufall nicht manchmal Regie führte? Wenn etwa Conrad Röntgen die Kristalle vom Tisch geräumt hätte, die dann in seinen geheimnisvollen X-Strahlen zu leuchten begannen. Wenn Alexander Fleming nicht Petrischalen mit gefährlichen Staphylokokken hätte vor sich hinschimmeln lassen.

All das hat etwas Gemeinsames: Jemand war zur richtigen Zeit am richtigen Ort oder fand etwas ganz anderes als das, wonach er suchte. Doch der Zufall beflügelt nur einen vorbereiteten Geist. Entsprechend bedeutet serendipity auch: intelligente Folgerung. Denn glückliche Fügungen geben nur Denkanstöße. Wenn sich jemand mit dem theoretischen Hintergrund nicht auskennt, nutzt der schönste Zufall nichts. Und vor allem brauchen Zufälle die Möglichkeit, sich zu entfalten. Deshalb sollten Geldgeber in der Wissenschaft nicht immer nur auf Anwendungsnähe pochen, sondern auch der Grundlagenforschung eine Chance geben - und damit serendipity.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Französische Ärzte fanden zufällig eine Therapie gegen Hämangiome: Beta-Blocker

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