Ärzte Zeitung online, 25.11.2008

Spanier testen Aids-Impfstoff an Freiwilligen

BARCELONA (dpa). Mediziner testen erstmals in Spanien einen Aids-Impfstoff an Freiwilligen. Wie die Wissenschaftler am Dienstag in Barcelona mitteilten, soll der Impfstoff keine Infektion mit einem Aids-Erreger HIV verhindern, sondern davor schützen, dass nach einer Infektion die Immunschwächekrankheit ausbricht.

Bei 0,5 Prozent der HIV-infizierten Patienten breche Aids niemals aus, erläuterte einer der Mediziner. Der von Wissenschaftlern des staatlichen Forschungsinstituts CSIC entwickelte Impfstoff solle diese Situation bei anderen Patienten reproduzieren. An der im Januar beginnenden Testreihe nehmen 30 Freiwillige teil, die nicht HIV-infiziert sind. 24 von ihnen bekommen den Impfstoff aus Proteinen injiziert, die den HIV-Eiweißmolekülen nachgebildet sind.

Die Ärzte prüfen dann, ob sich im Körper der Testpersonen Antikörper bilden. Die übrigen 6 Freiwilligen bekommen ein wirkstoffloses Placebo verabreicht und dienen als Vergleichsgruppe. Die Forscher hatten den Impfstoff zuvor an Mäusen und Affen getestet. Der Leiter des Ärzteteams, Dr. Mariano Esteban, betonte, es sei ausgeschlossen, dass die Freiwilligen bei dem Test mit dem Aidserreger HIV infiziert würden.

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde hatte kürzlich angekündigt, eine Pille zu testen, die gesunde Menschen vor einer Infektion mit dem Aidserreger HIV schützen soll (wie berichtet). Nach Auskunft des zuständigen US- Bundesinstituts (NIAID) wird der klinische Versuch derzeit in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern wie Brasilien, Thailand, Indien sowie Südafrika vorbereitet. Erprobt wird mit Freiwilligen, ob die sogenannte Präexpositionsprophylaxe mit bereits gängigen Aidsmitteln das Ansteckungsrisiko in Risikogruppen wie Homosexuellen mit unvorsichtigen Sexpraktiken, Drogensüchtigen und Prostituierten senken kann.

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