Ärzte Zeitung online, 26.02.2009

Merkel besucht Aids-Kranke in Berliner Wohnprojekt

BERLIN (dpa). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kam mit einem freundlichen Lächeln und schüttelte die Hände von Berliner Aidskranken. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des gemeinnützigen Wohnprojekts "Zuhause im Kiez" (ZIK) besuchte Merkel am Donnerstag zehn kranke Bewohner persönlich (wie vorab berichtet).

Keinerlei Berührungsängste hatte Angela Merkel beim Besuch des Wohnprojekts für Aids-Patienten.

Foto: dpa

"Es ist wichtig, offen über Aids zu sprechen und die Angst davor zu nehmen", sagte Merkel, nachdem sie sich mit ihnen rund eine halbe Stunde lang hinter verschlossenen Türen unterhalten hatte. "Erst das macht Prävention möglich." Sie wünschte sich, dass mehr Menschen offen werden für die Probleme, die diese schwierige Krankheit mit sich bringt.

Der orangefarbene Neubau mitten im Berliner Szeneviertel Kreuzberg entstand aus der Eigeninitiative engagierter Berliner. Heute gilt die Initiative über die deutschen Grenzen hinaus als Modellprojekt. Seit der Gründung hat das Hilfsprojekt für chronisch Kranke nach eigenen Angaben rund 3000 Menschen zu einem neuen Zuhause verholfen. Außerdem bietet ZIK neben Wohnungsvermittlung, Wohngemeinschaften und einem Café auch psychologische Beratung, Betreuung und einen eigenen Pflegedienst an. Derzeit wohnen in dem Haus 27 Menschen.

"Ich bin sehr gerne hierhergekommen, um von der praktischen Arbeit etwas zu sehen", sagte die Kanzlerin. "Nach meinem Besuch habe ich eine bessere, eigene Vorstellungskraft über die praktische Aidshilfe." Trotz der Wirtschaftskrise sei es wichtig, sich antizyklisch zu verhalten und Menschen mit HIV und Aids weiter Hilfe zukommen zu lassen. "Diese Menschen brauchen die Hilfe." Der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Aids-Stiftung, Ulrich Heide, sagte: "Merkels Besuch ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass sich Menschen mit HIV und Aids nicht verstecken müssen." Rund 63 500 Menschen in Deutschland tragen nach den jüngsten Zahlen des Berliner Robert-Koch-Instituts den Aidserreger HIV im Blut.

Holger Michels war einer der Bewohner des Hauses, mit denen sich Merkel unterhielt. "Frau Merkel hat sehr genau zugehört und nachgefragt", erzählte der 36-jährige HIV-Positive anschließend. "Wir haben auch über die Wirtschaftskrise und das Konjunkturpaket geredet." Er habe es als Ehre empfunden, sie direkt sprechen zu können und nicht nur im Fernsehen zu sehen. "Ich werde vielen davon erzählen", war sich Michels sicher. Eines konnte er jedoch nicht klären: "Ich hätte sie gerne gefragt, ob sie überhaupt noch Freizeit hat - aber da war sie schon wieder weg."

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