Ärzte Zeitung online, 09.04.2009

Internationale Studie: Start der Therapie gegen HIV nicht zu spät beginnen!

BRISTOL (ple). Die Auswertung der Daten von mehr als 45 000 HIV-Infizierten legt nahe, dass die antiretrovirale Therapie begonnen werden sollte, bevor das Immunsystem zu sehr geschwächt ist und die T-Helferzellzahl unter 350 pro Mikroliter Blut sinkt (Lancet online).

In der internationalen Studie wurden die Daten von 18 prospektiven Studien in Europa und Nordamerika ausgewertet. In 15 der 18 Studien waren die Patienten zuvor nicht antiretroviral behandelt worden. Wurden HIV-Infizierte erst dann behandelt, wenn die Zahl der CD4-positiven T-Helferzellen bereits nur noch zwischen 251 und 350 pro Mikroliter Blut lag, war die Aids- und Sterberate um 28 Prozent höher als bei einem Therapiebeginn bereits bei einer Zellzahl von 351 bis 450 pro Mikroliter. Dann ist das Immunsystem noch nicht so geschwächt. Wird die Therapie erst bei geschwächtem Immunsystem begonnen, liegt die Sterberate um etwa 13 Prozent höher als bei frühzeitigem Therapiebeginn. Die Studienautoren betonen, dass Nutzen und Risiko eines frühen oder späten Therapiebeginns individuell geklärt werden müssten.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die internationale NA-ACCORD-Studie (NEJM online). Der Auswertung dieser Studie mit Daten von mehr als 17 500 HIV-Infizierten ohne Symptome zufolge erhöht sich die Sterberate um fast 70 Prozent, wenn die antiretrovirale Therapie erst dann begonnen wird, wenn die T-Helfer-Zellzahl auf einen Wert zwischen 351 und 500 pro Mikroliter gesunken ist. Vergleichsgruppe sind jene Patienten, bei denen die Therapie bereits dann begonnen wurde, wenn die Zellzahl noch über 500 pro Mikroliter lag.

Derzeit wird in EU-Leitlinien bei asymptomatischen HIV-Infizierten ein Grenzwert für den Therapiebeginn zwischen 200 und 350 CD4-Zellen pro Mikroliter empfohlen.

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