Ärzte Zeitung online, 16.04.2009

Verfügung gegen "Bild" wegen Berichten über No-Angels-Sängerin

BERLIN (dpa). Der Anwalt der No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa (26) hat am Mittwoch beim Berliner Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung über das Ermittlungsverfahren gegen seine Mandantin erwirkt. Wie eine Gerichtssprecherin am Mittwoch mitteilte, dürfe der Verlag Axel Springer auch nicht über den "Gegenstand der Untersuchungshaft" der Sängerin berichten. Die "Bild"-Zeitung will nach eigenen Angaben gegen die Verfügung Widerspruch einlegen.

Die Zeitung hatte am Dienstag als erste darüber berichtet, dass die No-Angels-Sängerin am Samstagabend in einer Frankfurter Diskothek unter dem Vorwurf der schweren Körperverletzung verhaftet wurde. Wie die Staatsanwaltschaft Darmstadt später ergänzend mitteilte, soll die Sängerin einen Mann bei ungeschütztem Sex mit HIV angesteckt haben, obwohl sie von ihrer Infektion wusste. Zu der einstweiligen Verfügung erklärte der Anwalt der Sängerin, Christian Schertz, das Gericht habe nach einer Abwägung zwischen dem öffentlichen Informationsinteresse und dem Schutz der Privatsphäre zugunsten der Persönlichkeitsrechte der Sängerin entschieden.

"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass die No Angels, die 2008 Deutschland beim Grand Prix vertraten, die erfolgreichste deutsche Pop-Band der letzten Jahre sei. "Ihre Poster hängen in tausenden Teenager-Zimmern. Die Vorbildfunktion der Bandmitglieder steht daher völlig außer Frage", schrieb Diekmann. "Angesichts dieser Vorbildfunktion, aber auch der Schwere der strafrechtlichen Vorwürfe gegen Nadja Benaissa ist das öffentliche Interesse an der Berichterstattung nicht im Ansatz zu bestreiten. Aus diesem Grund sind auch Staatsanwaltschaft und Polizei unter Nennung des vollen Namens der Beschuldigten an die Öffentlichkeit getreten, worüber "Bild" genauso wie alle wichtigen Nachrichtenagenturen und Medien des Landes berichtet hat. Ein Verbot, über die Verhaftung einer derart öffentlichen Person zu informieren, ist deshalb ein schwerer Angriff auf die Pressefreiheit."

Auch die dpa hatte über den Fall berichtet. Sie teilte nicht die Auffassung des Anwalts der Sängerin, wonach diese keine absolute Person der Zeitgeschichte sei und es sich auch nicht um eine spektakuläre Straftat handele.

Lesen Sie dazu auch:
Aids-Hilfe nennt Verhaftung der No-Angels-Sängerin unverhältnismäßig

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