Ärzte Zeitung online, 22.04.2009

No-Angels-Sängerin aus Untersuchungshaft entlassen

DARMSTADT (dpa). Zehn Tage Untersuchungshaft musste No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa aushalten: Am Dienstag konnte die 26-Jährige das Gefängnis in Frankfurt am Main unter Auflagen wieder verlassen. Ihre Mutter, ihre kleine Tochter und auch ihr Bruder hatten sie dort immer wieder besucht und ihr Mut gemacht. Benaissa war am Osterwochenende kurz vor einem Solo-Auftritt im Frankfurter Club "Nachtleben" festgenommen worden.

Der Vorwurf gegen die junge Frau: gefährliche Körperverletzung. Benaissa soll einen Mann wissentlich mit HIV angesteckt haben. In den Jahren 2004 und 2006 soll sie mit drei Männern ohne Schutz geschlafen haben, obwohl sie von ihrer Infektion wusste. Eine HIV-Infektion kann zur Immunschwächekrankheit Aids führen. Bei einer Verurteilung droht Benaissa eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Die Art der Auflagen will das Amtsgericht Darmstadt nicht nennen. Informationen darüber berührten zu sehr den persönlichen Bereich. "Außerdem handelt es sich um ein laufendes Verfahren", sagte Sprecher Albrecht Simon. Mit der Freilassung folgte der Ermittlungsrichter einem Antrag der Staatsanwaltschaft Darmstadt vom vergangenen Freitag.

Der Fall schlug von Anfang an hohe Wellen. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt, die die Medien über den Fall detailliert informierte, stand im Zentrum der Kritik. Benaissas Berliner Anwalt Christian Schertz warf der Behörde schwere Fehler vor. Sie hätte zum Beispiel keine Erklärung über den Tatvorwurf abgeben dürfen. Die Deutsche Aids-Hilfe sah in der spektakulären Verhaftung und vor allem in dem HIV-Outing der 26-Jährigen "eine moderne Form der Hexenjagd".

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ger Neuber, hatte die Kritik zunächst immer als ungerechtfertigt zurückgewiesen. Als dann am Wochenende und am Montag Experten in verschiedenen Medien zu Wort kamen und die Freilassung der jungen Frau forderten, sagte Neuber nur noch: "Kein Kommentar."

Mit der Entlassung Benaissas war schon seit einigen Tagen gerechnet worden. Immer wieder gab Neuber Wasserstandsmeldungen, wann es soweit sein könnte. "Wir sind in enger Zusammenarbeit mit der Verteidigung dabei, das Problem zu lösen", hatte er am Donnerstag Hoffnungen genährt. Einen Tag später dann die Information: "Ich rechne nicht mit einer kurzfristigen Entscheidung."

Zwischenzeitlich gab es Wirrwarr um die juristische Vertretung der Sängerin. Benaissa untersagte, so schilderte es Schertz, dem Strafverteidiger Achim Groepper, weiter in ihrem Namen aufzutreten. Groepper habe ohne Rücksprache mit Benaissa Interviews gegeben.

Der Fall Benaissa hat nun auch ein parlamentarisches Nachspiel in Hessen. Die Grünen werfen nach einem Bericht des Hessischen Rundfunks (hr) Landesjustizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) vor, die Rechte von Benaissa nicht geschützt zu haben. Sie wollen nun im Rechtsausschuss des Landtags Auskunft über den Fall verlangen. Eine Sprecherin des Ministeriums verwies im hr auf die Unabhängigkeit der Justiz.

Die No Angels gelten als bislang erfolgreichste deutsche Mädchenband. Die Gruppe war im Jahr 2000 bei der TV-Show "Popstars" gecastet worden.

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