Ärzte Zeitung online, 25.05.2009

Diagnose HIV: nach wie vor hohe Zahl

BERLIN (eb). Für das Jahr 2008 sind dem Robert Koch-Institut (RKI) insgesamt 2806 HIV-Neudiagnosen gemeldet worden. Gegenüber dem Jahr 2007 (2774 Neudiagnosen) bedeutet dies keine nennenswerte Veränderung. "Die nach wie vor hohe Zahl zeigt, dass Prävention und Forschung weiterhin wichtig sind", meint Jörg Hacker, Präsident des RKI.

Diagnose HIV: nach wie vor hohe Zahl

Im Jahr 2008 registrierte das RKI 2806 HIV-Neudiagnosen.

Foto: Sebastian Kaulitzki©www.fotolia.de

Allerdings gibt es regional abweichende Entwicklungen. Der neue Jahresbericht mit umfangreichen Daten zu HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen ist im Epidemiologischen Bulletin 21/2009 veröffentlicht worden.

Angaben zum Infektionsweg lagen für 85 Prozent der im Jahr 2008 neu diagnostizierten HIV-Infektionen vor. Darunter stellen Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), mit 65 Prozent unverändert die größte Gruppe. Hier ist die Zahl der Neudiagnosen im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr (2007) praktisch unverändert - 1555 beziehungsweise 1552 (im Jahr 2007 musste bei den MSM noch ein Anstieg um 12 Prozent gegenüber 2006 registriert werden).

Abweichend musste für Berlin von 2007 auf 2008 eine Zunahme der HIV-Neudiagnosen bei Männern insgesamt festgestellt werden, um 7 Prozent. Im Jahr zuvor war bei Männern in Berlin die Zahl der Syphilis-Fälle erheblich gestiegen (um 46 Prozent von 2007 auf 2008). Auch in Hamburg war im vergangenen Jahr eine solche Syphiliswelle zu beobachten. Steigende Syphilis-Zahlen gelten als Hinweis für einen möglichen Anstieg der HIV-Neudiagnosezahlen. Syphilis-Bakterien und andere sexuell übertragbare Erreger führen über die Förderung entzündlicher Prozesse dazu, dass daran Erkrankte sich leichter mit HIV anstecken oder das Virus leichter weitergeben.

Der Anteil derjenigen, die ihre HIV-Infektion durch heterosexuellen Kontakt erworben haben, bleibt unverändert bei 17 Prozent (403 Fälle). Der Anteil der Personen aus Staaten mit sehr vielen HIV-Infizierten in der allgemeinen Bevölkerung (Hochprävalenzländer) stieg im Jahr 2008 leicht auf 12 Prozent der HIV-Neudiagnosen (296 Fälle). Der Anteil der Personen, die eine HIV-Infektion wahrscheinlich über (intravenösen) Drogengebrauch erworben haben, geht leicht zurück, auf 5 Prozent (123 Neudiagnosen).

Im Jahr 2008 wurden 21 HIV-Infektionen (1 Prozent) bei Kindern und Neugeborenen diagnostiziert, die sich über ihre Mutter infiziert haben. Davon wurden elf in Deutschland geboren (Schwangerschaften in den Jahren 2006, 2007 und 2008). Bei sechs dieser Kinder war kein HIV-Test in der Schwangerschaft durchgeführt worden, obwohl die betreuenden Ärzte seit Jahren den HIV-Test im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen anbieten sollen und seit Ende 2007 zu dem Angebot verpflichtet sind.

Die Zahl der Neudiagnosen ist seit dem niedrigsten Wert (1443) im Jahr 2001 stetig gestiegen, zum Teil auch durch eine verbesserte Erkennung von Erstdiagnosen und eine höhere Inanspruchnahme von HIV-Tests. Die Zahl der HIV-Neudiagnosen ist nicht identisch mit der Zahl der Neuinfektionen in einem Zeitraum (HIV-Inzidenz). HIV-Infektion und -Test können zeitlich weit auseinander liegen. Eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie des RKI zur Bestimmung des Anteils der kürzlich erworbenen HIV-Infektionen unter den HIV-Neudiagnosen ist 2008 angelaufen, vorläufige Ergebnisse werden voraussichtlich Mitte 2009 vorliegen.

Zum HIV/AIDS-Bericht des RKI

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