Ärzte Zeitung online, 01.12.2009

UN: Die meisten HIV-infizierten Kinder nicht behandelt

NEW YORK/GENF/BERLIN (dpa). Die Mehrheit der HIV-infizierten Kinder auf der Welt bekommt noch immer nicht die nötigen Medikamente. Nur 38 Prozent der bedürftigen Kinder würden behandelt, kritisiert ein neuer Bericht der Vereinten Nationen zum Weltaidstag am 1. Dezember.

UN: Die meisten HIV-infizierten Kinder nicht behandelt

Kinder erhalten in einem chinesischen Heim für Aids-Waisen antiretroviralte Medikamente.

Foto: dpa - Bildfunk

"Die am stärksten betroffenen Länder sind bis heute nicht in der Lage, die Aids-Epidemie aus eigener Kraft wirksam zu bekämpfen", betonte die Geschäftsführerin des UN-Kinderhilfswerks UNICEF in Deutschland, Regine Stachelhaus.

In den Schwellen- und Entwicklungsländern werde nur jedes dritte Baby (32 Prozent) einer HIV-infizierten Schwangeren mit Medikamenten vor einer Ansteckung bei der Mutter geschützt. Immerhin habe sich dieser Anteil seit 2006 von 18 Prozent fast verdoppelt. Doch im Süden Afrikas werde bis heute nur jedes zehnte Kind vor einer solchen Übertragung geschützt. "Es ist zu befürchten, dass die weltweite Wirtschaftskrise die Auswirkungen der Aids-Epidemie auf Kinder und Jugendliche in Entwicklungsländern verschärft", sagte Stachelhaus.

Der Bericht von UNICEF, dem UN-Aidsprogramm UNAIDS, der Weltgesundheitsorganisation WHO und dem UN-Bevölkerungsfonds zeigt in einigen Bereichen Fortschritte auf. So stieg etwa der Anteil der erkrankten Kinder, die behandelt werden, deutlich um fast 40 Prozent in einem Jahr. Doch noch immer werden Kinder seltener behandelt als Erwachsene.

Die Hälfte der Neuansteckungen könnte dem Bericht zufolge verhindert werden, wenn die in den vergangenen Jahren ins Leben gerufenen Aufklärungs- und Präventionsprogramme ausgebaut würden. Doch obwohl heute wesentlich mehr Mittel zur Verfügung stünden als noch vor wenigen Jahren, sei die Finanzierung der Aids-Programme nicht annähernd gedeckt.

Der größte Geldgeber im Kampf gegen Aids, der Globale Fonds, finanziert nach eigenen Angaben unter anderem die Behandlung von 2,5 Millionen Menschen mit antiretroviralen Medikamenten. Mit bislang 9,3 Milliarden US-Dollar (6,2 Milliarden Euro) steuere der Fonds ein Viertel der internationalen Finanzierung gegen Aids bei, teilte die Organisation in Genf mit. Zusammen mit den Hilfsmaßnahmen gegen Tuberkulose und Malaria habe der Globale Fonds in den vergangenen sechs Jahren die Rettung von 4,9 Millionen Menschenleben ermöglicht. Der Fonds war 2002 zur internationalen Finanzierung des Kampfes gegen die drei großen Infektionskrankheiten gegründet worden.

In Deutschland nannte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) die Aidsbekämpfung "international vorbildlich", mahnte aber zugleich, die Zahl der HIV-Neuinfektionen müsse weiter gesenkt werden. "Wir werden weiter hart arbeiten müssen", betonte der Minister, der symbolisch eine große rote Schleife vor dem Brandenburger Tor entrollte.

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schützen sich in Deutschland heute mehr frisch verliebte Paare vor einer Ansteckung: Der Anteil von Paaren, die zu Beginn einer Partnerschaft Kondome benutzten, sei von 70 Prozent 2004 auf aktuell 81 Prozent gestiegen, berichtete Direktorin Elisabeth Pott.

Nach Angaben der Vereinten Nationen gibt es derzeit weltweit etwa 33,4 Millionen HIV-Infizierte - mehr als jemals zuvor. In Deutschland liegt die Zahl der Neuinfektionen bei etwa 3000. Die Weltgesundheitsorganisation rief den Weltaidstag 1988 aus.

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