Ärzte Zeitung online, 14.01.2010

Chinesisches Radioprogramm soll Umgang mit Aids verändern

PEKING (dpa). "Meine Krankheit hat nichts mit meinem privaten Lebenswandel zu tun", sagt Zhou Yi aus China. "Das kann jedem passieren." Der homosexuelle Shanghaier hat sich beim Geschlechtsverkehr mit HIV angesteckt.

Wie lebt ein Aids-Kranker mit der Angst vor dem Tod? Wo hat er sich angesteckt? Um über die Krankheit aufzuklären und den gesellschaftlichen Umgang mit ihr zu verändern, wurde zusammen mit Experten der Vereinten Nationen das landesweite Radioprogramm "Positive Gespräche" initiiert. An diesem Samstag starten die Gespräche mit Betroffenen im China National Radio (CNR). Zhou Yi ist daran beteiligt.

In einstündigen Gesprächsrunden sollen sich Zuhörer mit den "HIV-Beratern", wie sich die Infizierten selbst nennen, offen über die Krankheit austauschen. Der 40-jährige Zhou Yi freut sich auf die Sendungen. Er erhofft sich, dass die Krankheit in der Gesellschaft künftig weniger verleugnet wird und andere Menschen ermutigt werden, "positiver" mit der Krankheit umzugehen.

Der hochgewachsene Chinese mit dem hageren Gesicht arbeitete bis vor vier Jahren als Manager. Das viele Getuschel hinter seinem Rücken wurde Zhou Yi schließlich zu viel, er verließ die Firma. "Chinesen stecken überall ihre Nase rein", sagt er. Nun setzt er sich für andere Betroffene ein, die in China häufig diskriminiert werden. Die Talkshows werden zunächst ein Jahr lang jeden Samstag zwischen neun und zehn Uhr abends übertragen. Neben einigen der 700 000 bis 800 000 HIV-Infizierten in China mit ihren ganz individuellen Geschichten sollen auch Experten zu rechtlichen oder medizinischen Belangen zu Wort kommen.

"Es gibt immer noch viele Chinesen, die denken, Aids kann beim Händeschütteln übertragen werden", sagt Bernhard Schwartländer. Der Deutsche, der für das Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) die gemeinsamen Projekte in der Volksrepublik koordiniert, sieht in dem Radioprogramm einen großen Fortschritt. "Noch vor ein paar Jahren ist solch ein Projekt nicht denkbar gewesen." In weiten Teilen Chinas seien die Menschen zu konservativ, um offen über Sexualität oder Drogenmissbrauch zu reden.

Die Aufklärung über Ansteckungsmöglichkeiten hält Schwartländer für sehr wichtig, um Neuansteckungen zu verhindern. Der Arzt hofft aber auch, bereits Betroffene mit dem Radioprogramm zu erreichen: "Gerade weil wir Therapiemöglichkeiten haben, müssen wir darüber reden." Den Vereinten Nationen zufolge werden bis zu 300 Millionen Zuhörer für die Radio-Show erwartet.

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