Ärzte Zeitung online, 02.02.2010

Detailreicher Einblick in Vermehrung des Aids-Erregers gelungen

LONDON (ple). Einen Schub für die Aids-Forschung - das bedeutet die Strukturaufklärung des zentralen Enzyms eines Virus, das als Modell für HIV gilt. Forschern ist es nämlich gelungen, die 3D-Struktur der Integrase dieses Virus erstmals im Detail zu analysieren.

Detailreicher Einblick in Vermehrung des Aids-Erregers gelungen

Computermodell des Enzyms Integrase von HIV (grün, blau und gelb), das an das Erbgut des Virus (orange und lila) bindet. © Imperial College London

Dieses Enzym ermöglicht es dem Aids-Erreger, sich in das Erbgut von Zellen etwa des Immunsystems einzuschleusen. Das ist Voraussetzung für die Vermehrung des Virus in der befallenen Zelle. Die Forscher haben nun mit aufwendigen physikalischen Methoden die 3D-Struktur der Integrase des Virus PFV (prototype foamy virus) analysiert - auch in Wechselwirkung mit der DNA (Nature online) des Virus. Erstmals sei zudem beobachtet worden, wie Integrase-Hemmstoffe die Aktivität des Enzyms blockieren, so die Forscher. Sie testeten in den Versuchen die Hemmstoffe Raltegravir und Elvitegravir.

Mit diesem Wissen erhoffen sich die Wissenschaftler nun unter anderen vom Imperial College in London, dass die Entwicklung von weiteren Hemmstoffen der Integrase beschleunigt wird. Es hatte mehrere Jahrzehnte gedauert, bis Ende 2007 mit Raltegravir der erste Integrase-Hemmer zur Therapie HIV-Infizierter in Europa zugelassen wurde. Nach Ansicht der Forscher helfen die jetzt gewonnenen Erkenntnisse darüber hinaus herauszufinden, wie sich Resistenzen gegen Integrase-Hemmer frühzeitig verhindern lassen.

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