Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung online, 24.02.2010

Forscher schlagen Änderung der HIV-Behandlungsrichtlinien vor

Forscher schlagen Änderung der HIV-Behandlungsrichtlinien vor

BASEL (eb). Wie rasch sich das Immunsystem eines HIV-Patienten verschlechtert, ist nicht entscheidend für die Krankheitsprognose. Das zeigt eine Studie unter der Leitung von Basler Forschern. Die Erkenntnis könnte zur Änderung bisheriger Behandlungsrichtlinien führen.

Die Ergebnisse einer internationalen Studie unter der Leitung von Forschern der Universität Basel zeigen, dass der Therapie-Entscheid bei HIV-Infizierten nicht vom Tempo der Immunverschlechterung abhängig gemacht werden sollte. In der Studie zeigte sich kein Unterschied im Krankheitsverlauf zwischen Patienten mit raschem und langsamem CD4-Zell-Abfall.

Das Team um Dr. Marcel Wolbers untersuchte die Daten von 2820 HIV-Patienten aus Europa, Amerika und Australien. Weil bei diesen Patienten der Zeitpunkt der Ansteckung mit HIV bekannt war, konnte gemessen werden, wie rasch sich ihr Immunsystem bis zum Beginn der Behandlung verschlechtert hatte.

Laut den Forschern variiert das Tempo der Immunverschlechterung von Patient zu Patient enorm und ist nicht vorhersagbar. Bei Menschen mit rascher Abnahme der Zahl der Helferzellen brach die Immunschwächekrankheit Aids nicht häufiger aus als bei Menschen mit langsamer Abnahme und ihr Sterberisiko war auch nicht erhöht (PLoS Medicine 2010, online vorab).

Die meisten internationalen Behandlungsrichtlinien empfehlen heute einen Therapiebeginn bei 350 CD4-Zellen pro Mikroliter Blut. Viele Richtlinien ziehen zusätzlich in Betracht, wie rasch sich das Immunsystem verschlechtert. Sie raten den Ärzten, bei einem raschen Abfall der CD4-Zellzahl schon früher mit der Behandlung zu beginnen.

Dass die Abnahmerate nicht vorhergesagt werden kann, hat laut den Forschern eine weitere Konsequenz: Die Zahl der CD4-Zellen bei HIV-Positiven muss regelmäßig - mindestens alle sechs Monate - gemessen werden. Nur so ist gewährleistet, dass der Schwellenwert nicht verpasst wird, bei dem die medikamentöse Therapie beginnen soll.

Zum Volltext der Originalpublikation "Pretreatment CD4 Cell Slope and Progression to AIDS or Death in HIV-Infected Patients Initiating Antiretroviral Therapy - The CASCADE Collaboration: A Collaboration of 23 Cohort Studies"

| Share

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Neue Ära in der Schlaganfall-Therapie?

Ein neuartiges Therapieverfahren weckt große Hoffnungen bei der Behandlung von akutem Schlaganfall. Jetzt hat es sich in Studien und auch in der Praxis bewährt. Experten jubeln: Die neue Methode wird die Schlaganfall-Therapie grundsätzlich verändern! mehr »

112 - Heute ist Europäischer Notruf-Tag

Nur etwa jeder vierte Europäer kennt die EU-weite Notrufnummer 112. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die EU-Kommission in Brüssel anlässlich des Europäischen Notruf-Tags vorgestellt hat. Die Notrufnummer 112 ist rund um die Uhr und kostenfrei in Europa erreichbar. mehr »

Streit um frühe Nutzenbewertung eskaliert

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) scharf kritisiert. Das Institut missachte Standards der evidenzbasierten Medizin. Das IQWIG kontert: Die Vorwürfe sind unsachlich. mehr »