Ärzte Zeitung online, 24.03.2010

Aids-Gipfel der Religionen befürwortet indirekt Kondome

AMSTERDAM (dpa). Führende Vertreter aller Weltreligionen haben für den Kampf gegen Aids indirekt die Benutzung von Kondomen befürwortet. Um einer weiteren Verbreitung des HI-Virus zu begegnen, sei eine "ganzheitliche Prävention einschließlich sicherer Praktiken" erforderlich, heißt es in der am Dienstag angenommenen Abschlusserklärung des ersten Aids-Gipfels der Religionen.

Ausdrücklich erwähnt werden Kondome darin jedoch nicht. An der zweitägigen Konferenz in der niederländischen Gemeinde Den Dolder bei Utrecht beteiligten sich rund 40 hohe Repräsentanten des Christentums, des Islams, des Judentums und des Buddhismus sowie der Bahai, der Hindus und der Sikhs.

"Wir haben mit einem erneuerten Verständnis für die Dringlichkeit das Ausmaß und die anhaltende Ausweitung der HIV-Pandemie erkannt", heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Religionsführer. "Sie wächst außerordentlich; auf jeweils zwei (infizierte) Menschen, die behandelt werden können, kommen fünf, die sich neu infizieren." Angesichts dessen versprachen die Repräsentanten der Religionen "eine stärkere, besser sichtbare und praktische Führerschaft als Antwort auf HIV".

Dafür sei es auch notwendig, "auf die Stimmen der jungen Menschen zu hören". Vor allem versprachen die religiösen Führer, sich auch ganz persönlich stärker dafür einsetzen, dass in den jeweiligen Glaubensgemeinschaften und Kulturen die Würde der mit HIV oder Aids lebenden Menschen respektiert wird. Die Stigmatisierung und Diskriminierung von HIV-infizierten Menschen müsse überwunden werden.

Zum Auftakt der Konferenz hatten die Vereinten Nationen an die Repräsentanten der Weltreligionen appelliert, den Kampf gegen Aids zu verstärken und ihren Gläubigen dabei auch die Benutzung von Kondomen zu erlauben. Die Kondombenutzung gilt Experten weltweit als wirksamste Möglichkeit, die Übertragung des HI-Virus zu verhindern. Sie wird aber in einigen Religionsgemeinschaften abgelehnt oder mit großen Vorbehalten betrachtet. So erklärte Papst Benedikt XVI. im Frühjahr 2009 auf seiner Afrika-Reise, Aids lasse sich nicht mit Kondomen besiegen; diese könnten das Problem vielmehr noch vergrößern.

"Wir erwarten nicht, dass religiöse Führer selbst Kondome verteilen", sagte der Direktor des Aids-Bekämpfungsprogramms der Vereinten Nationen (UNAIDS), Michel Sidibé. Sie seien aber aufgerufen, mit internationalen Hilfsorganisationen bei der HIV-Prävention zu kooperieren. Ausdrücklich befürwortete Sidibé auch andere Vorbeugemaßnahmen wie Enthaltsamkeit vor der Ehe und die Förderung der Treue zwischen Partnern.

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