Ärzte Zeitung, 19.07.2010

WHO rät weltweit zu früherem Start der HIV-Therapie

WHO rät weltweit zu früherem Start der HIV-Therapie

WIEN (hub). Im Jahr 2009 haben 5,2 Millionen mit HIV infizierte Menschen eine antivirale Therapie erhalten. Nach den neuen WHO-Empfehlungen sind es jedoch 15 Millionen Menschen, die eine solche Therapie benötigen.

Bei der 18. Internationalen Aids-Konferenz in Wien hat die WHO gefordert, die antivirale Therapie HIV-infizierter Menschen müsse früher beginnen, nämlich bevor sie aufgrund eines geschwächten Immunsystems krank werden. "Ein früherer Therapiestart ermögliche es Menschen mit HIV-Infektion gesünder zu bleiben und länger zu leben", so Dr. Gottfried Hirnschall, WHODirektor HIV/Aids. Die HIV-bedingte Mortalität lasse sich zwischen 2010 und 2015 durch einen früheren Therapiestart um 20 Prozent reduzieren.

Bisher hat die WHO empfohlen, eine antiretrovirale Therapie zu beginnen, wenn die Konzentration der CD4-Zellen unter 200 pro μl sinkt. Nach der neuen, jetzt in Wien vorgestellten Empfehlung, sollte die Therapie bereits ab einem Schwellenwert von 350 CD4-Zellen/μl beginnen. Zur Erinnerung: Gesunde Menschen haben eine CD4-Zellzahl von 1000 bis 1500 pro μl. Mit dem neuen Richtwert bräuchten etwa 15 Millionen Menschen eine Therapie, nach der bisherigen Empfehlung sind es etwa 10 Millionen. Die Kosten der antiviralen Therapie schätzt die WHO für das Jahr 2010 auf rund sieben Milliarden Euro.

Auch weitere Forschung im Bereich HIV ist notwendig, da etwa die Zahl zirkulierender rekombinanter Virusformen zugenommen hat. Das habe eine Analyse von fast 66 000 HIV-1-Proben aus 109 Ländern ergeben, heißt es auf der Kongress-Homepage. Eine stärkere genetische Diversität habe Auswirkungen sowohl hinsichtlich antiviraler Arzneien als auch möglicher Impfstoffe. Eine solche experimentelle Vakzine hat im Tierexperiment zu einer Produktion neutralisierender Antikörper gegen die CD4-Bindungsstelle des HI-Virus geführt. Diese Bindungsstelle ist innerhalb der HIV-1-Familie stark konserviert. Bisher war mit Impfstoffen jedoch keine solche Antikörperantwort induziert worden.

Die Notwendigkeit, unter einer antiviralen Therapie die Viruskonzentration zu bestimmen, hat eine Studie mit rund 100 000 Patienten aus Malawi, Sambia und Südafrika bestätigt. Mit einer Routinekontrolle wurden Resistenzen und Therapieversager deutlich früher entdeckt als ohne. Durch anschließende Therapieumstellung wurde die Sterberate um fast 40 Prozent gesenkt.

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