AIDS/HIV

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Modul: HIV-Infektion – Test und Behandlung

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Ärzte Zeitung online, 20.07.2010

Vaginalgel gegen HIV erfolgreich getestet

Vaginalgel gegen HIV erfolgreich getestet

Übertragungsrate in Pilotstudie fast 40 Prozent verringert / Gewalt gegen Frauen ist ein Motor der HIV-Ausbreitung in Afrika

WIEN/WASHINGTON (eb). Ein Gel gegen HIV hat sich in einer Pilotstudie als wirksam gezeigt. Das Gel, dem eine HIV-Arznei beigemischt ist, wird vor dem Sex in die Scheide eingeführt.

In einer Pilotstudie in Südafrika reduzierte dieses sogenannte Mikrobizid das Ansteckungsrisiko mit HIV innerhalb von 2,5 Jahren um knapp 40 Prozent, berichten die Forscher im US-Fachjournal "Science". Das Gel enthält das Nukleotidanalogon Tenofovir (in Deutschland Viread®), das die virale Transkriptase hemmt. Ein weiterer Effekt des Mikrobizids: Auch die Infektionsrate mit Genitalherpes war 50 Prozent geringer. Die Studie mit knapp 900 Frauen wurde beim 18. Weltaidskongress in Wien vorgestellt. Nach 20 Jahren Forschung sind die Wissenschaftler vorsichtig optimistisch, Frauen den Weg zu einem selbstbestimmten Schutz vor einer HIV-Infektion eröffnen zu können.

Die Studienteilnehmerinnen wurden in zwei etwa gleich große Gruppen eingeteilt. Die eine bekam das Gel mit dem Aidsmittel, die andere ein wirkstoffloses Gel (Placebo). Alle Frauen wurden intensiv über den Schutz vor HIV und anderen Geschlechtskrankheiten beraten, bekamen Kondome und wurden regelmäßig untersucht und wenn nötig behandelt. Die von den Regierungen der USA und Südafrikas finanzierte Studie sei nach den international höchsten ethischen Maßstäben gestaltet worden, betonen die Autoren.

Nach 30 Monaten hatten sich in der Wirkstoffgruppe 38 Frauen mit HIV infiziert, in der Placebogruppe 60. Umgerechnet auf die Teilnahmedauer der Probandinnen ergaben sich 5,6 HIV-Infektionen pro 100 Teilnahmejahre in der Wirkstoffgruppe und 9,1 in der Plazebogruppe. Durch das Gel sank die Infektionshäufigkeit damit rechnerisch um 39 Prozent.

In der Untergruppe derjenigen Frauen, die das Gel sehr regelmäßig angewendet haben - in mindestens 80 Prozent aller Fälle - lag die Infektionshäufigkeit in der Wirkstoffgruppe sogar um 54 Prozent niedriger. Allerdings stehen diese Ergebnisse statistisch nicht auf sehr festen Füßen und müssen zunächst durch weitere, größere Studien bestätigt werden, wie auch die Studienautoren betonen.

Dennoch sind die Forscher vorsichtig optimistisch, nach 20 Jahren Forschung Frauen den Weg zu einem selbstbestimmten Schutz vor Aids eröffnen zu können. Im besonders schwer von der Immunschwäche- Epidemie betroffenen südlichen Afrika können Frauen oft nicht den Gebrauch von Kondomen durchsetzen. In der Folge trifft sie die Ansteckung überproportional häufig: Rund 60 Prozent der neu Infizierten in dieser Region sind Frauen. Von einen funktionierenden "chemischen Kondom" erhoffen sich Forscher eine Wende in der Aidsepidemie.

Allerdings gab es auch zuvor schon aussichtsreiche Kandidaten. So schien das Vaginalgel "Pro 2000" zunächst das Infektionsrisiko deutlich zu senken. In einer großen Studie mit mehr als 9000 Frauen in vier afrikanischen Ländern zeigte sich letztlich jedoch keinerlei Schutzwirkung.

Gewalt gegen Frauen ist ein wesentlicher Übertragungsweg von HIV im südlichen Afrika. Frauen, die Angst vor Gewalt haben oder diese bereits erleben, haben keine Möglichkeit, geschützten Geschlechtsverkehr einzufordern, sie nehmen HIV-Tests weniger in Anspruch, verheimlichen oft ihre Infektion und haben daher meist auch keinen Zugang zu Behandlung, mahnt die Deutsche AIDS-Stiftung. Eine weitere Ursache für die hohe Gefährdung von Frauen sei die Benachteiligung etwa im Zugang zu Bildung, zum Arbeitsmarkt und zum Gesundheitssystem. Frauen sorgen in der Regel für die Kinder und haben daher geringere Chancen auf Berufstätigkeit und eigene Einkünfte. Weltweit haben nur 38 Prozent der jungen Frauen korrekte und umfassende Informationen über HIV/AIDS. Von den 110 Millionen Kindern, die keine Schule besuchen, sind zwei Drittel Mädchen.

www.aids2010.org

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