Ärzte Zeitung online, 19.01.2011

US-Studie: Zahl HIV-positiver Patienten mit Schlaganfall hat zugenommen

SAN DIEGO (ple/dpa). HIV-Infizierte haben ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Das bestätigen die Ergebnisse einer US-Studie.

US-Studie: Zahl HIV-positiver Patienten mit Schlaganfall hat zugenommen

Die Daten der Studie zeigten, dass die Zahl der Klinikaufenthalte aufgrund von Schlaganfällen in den USA zwar innerhalb eines Jahrzehnts um sieben Prozent gesunken sei, so der Neurologe Dr. Bruce Ovbiagele von der Universität von Kalifornien in San Diego.

Jedoch sei die Zahl der HIV-positiven Schlaganfallpatienten in diesem Zeitraum um 60 Prozent gestiegen. Gründe dafür könnten unerwünschte Wirkungen der antiretroviralen Therapie sein, die HIV-Infizierte lebenslang einnehmen müssen. Auch ein Zusammenspiel mehrerer Stoffwechselprozesse und die Aids-Erreger selbst könnten die Ursache sein (Neurology 2011; 76: 444).

Der Studie zufolge lag der Anteil von Patienten mit HIV-Infektion unter allen Patienten mit ischämischem oder hämorrhagischem Schlaganfall in den an der Studie beteiligten US-Kliniken im Jahr 1997 bei 0,09 Prozent, im Jahr 2006 bei 0,15 Prozent.

Das Durchschnittsalter der HIV-Infizierten mit Schlaganfall habe bei 50 Jahren gelegen, sagte Ovbiagele. Sie waren damit jünger als andere Patienten ohne die Infektion.

Es sei eigentlich als Erfolg der HIV-Therapie zu werten, dass die Patienten inzwischen so alt werden können, dass sie an einem Schlaganfall erkranken, sagte der Aids-Experte Dr. Jan van Lunzen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Auch in Deutschland rücke die Behandlung von klassischen Alterserkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall bei HIV-Kranken zunehmend in den Fokus des HIV-Therapeuten. Belastbare Zahlen aus Deutschland über einen Zusammenhang gebe es aber seines Wissens noch nicht.

Nach Angaben von van Lunzen setzt die durch die Aids-Erreger ausgelöste Aktivierung des Immunsystems eine vorzeitige Alterung der Gefäße in Gang. Zudem sei bekannt, dass eine Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten zu Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes führen könne.

Auch sei unter HIV-Infizierten der Anteil der Raucher überdurchschnittlich hoch. All diese Faktoren gingen generell mit einem höheren Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte einher.

Die Herausforderung lautet den US-Neurologen zufolge herauszufinden, welche Bedeutung die antiretroviralen Arzneien haben. Dazu müsse auch geklärt werden, ob etwa Herzinfarkte ebenfalls bei HIV-Kranken verstärkt auftreten.

Im Jahr 2006 erlitten den Daten zufolge in den USA knapp 927 000 Menschen einen Schlaganfall (im Jahr 1997: knapp 999.000). Mehr als 1400 davon waren HIV-positiv (im Jahr 1997: 888).

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