Ärzte Zeitung online, 19.07.2011

HIV-Therapie ist auch Prävention - für den Partner

Studie belegt niedrigere Übertragungsrate, wenn Therapie schon früh beginnt

HIV-Therapie ist auch Prävention - für den Partner

ROM (awa). Erhalten HIV-infizierte Menschen eine Therapie bei einer CD4-Zellzahl von 350-550 Zellen/μl, wird das Risiko, den HIV-negativen Partner zu infizieren, um 96 Prozent gesenkt.

Dieses Ergebnis der randomisierten Studie HPTN (HIV Prevention Trials Network) 052 sei der wissenschaftliche Beweis, dass Therapie wirklich Prävention ist, sagte Professor Mike Cohen, aus North Carolina in den USA, beim internationalen Aids-Kongress in Rom.

An der Studie nahmen 1763 zumeist heterosexuelle, diskordante Paare - es ist also ein Partner HIV-negativ, ein Partner HIV-positiv - in Afrika, Indien, Südamerika, USA und Thailand teil. In Asien und Amerika waren jeweils 40 Prozent der Studienteilnehmer Frauen, in Afrika waren es 58 Prozent.

Der HIV-positive Partner erhielt entweder eine sofortige Therapie oder erst - entsprechend den lokalen Leitlinien - wenn die CD4-Zellzahl auf unter 250/μl gefallen war. Zusätzlich gab es eine umfassende Beratung über Safer Sex mit Kondomen. Die mediane CD4-Zellzahl/μl betrug bei Therapiebeginn in der ersten Gruppe 442 und in der zweiten Gruppe 225.

Annähernd vollständiger Schutz für die Partner

Im Beobachtungszeitraum von 1,7 Jahren infizierten sich in der Gruppe mit sofortiger Therapie 4 Personen und in der Gruppe mit späterem Beginn 35 Personen.

11 Personen steckten sich außerhalb der Partnerschaft an, bei den anderen 28 Infektionen (1 unter früher, 27 unter später Therapie) konnten die HI-Viren eindeutig dem jeweiligen HIV-positiven Partner zugeordnet werden.

Das entspricht einer Reduktion der Ansteckungsrate um rund 96 Prozent. Insgesamt 82 Prozent der Transmissionen fanden von der Frau auf den Mann und 82 Prozent in Afrika statt.

Augenmerk liegt auf den ersten Monaten

Cohen wies darauf hin, dass die eine Person in der Gruppe mit früher Therapie sich innerhalb des ersten Monats nach Therapiebeginn des HIV-positiven Partners infizierte. Vorsicht sei also in den ersten Monaten geboten, das heißt solange bis die Viruslast unter Therapie unter die Nachweisgrenze gesunken ist.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist der Nutzen einer frühen Therapie bei der Prävention von opportunistischen Infektionen: Das Risiko vor allem schwerer extrapulmonaler Tuberkulosen und schwerer bakterieller Infektionen, insbesondere Pneumonien, ging um 40 Prozent zurück.

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