AIDS/HIV

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: HIV-Infektion – Test und Behandlung

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung online, 29.07.2011

Antikörper aus Tabakpflanzen in klinischen Tests

MÜNCHEN (eb). Pflanzen können Arzneien produzieren. Jetzt werden Antikörper, die in Tabakpflanzen produziert wurden, erstmals klinisch getestet. Die zuständige britische Behörde hat den klinischen Untersuchungen zugestimmt.

Antikörper aus Tabakpflanzen in klinischen Tests

Tabakpflanze: Sie soll Antikörper produzieren, die vor einer HIV-Infektion schützen können.

© Kanusommer / fotolia.com

Mit der klinischen Studie wollen Forscher die Sicherheit von Antikörpern testen, die der Übertragung von HIV Einhalt gebieten können. So ließe sich aus den Antikörpern etwa ein Vaginalgel herstellen, das Frauen vor einer HIV-Infektion schützen könnte, teilt die Fraunhofer-Gesellschaft in München mit.

Die Untersuchung an Patientinnen soll jetzt zeigen, dass die Antikörper keine Nebenwirkungen haben und sicher sind. Der nächste Schritt wird dann sein, ihre Wirksamkeit zu beweisen.

"Die Zustimmung durch die zuständige Genehmigungsbehörde MHRA ist ein wichtiger Schritt hin zur Produktion von Pharmazeutika in Pflanzen", erklärte Professor Rainer Fischer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Aachen bei einer Pressekonferenz in London.

Bisher werden Pharmazeutika überwiegend durch Bakterien oder tierische Zellen in fermentativen Prozessen gewonnen, was sehr teuer ist, erinnert die Fraunhofer-Gesellschaft in ihrer Mitteilung.

Pflanzen als Protein-Fabriken

Die Produktion in Pflanzen - die Forscher verwenden hier gern Tabak - sei erheblich günstiger. Die Molekularbiologen können Pflanzen in Protein-Fabriken verwandeln, indem sie bestimmte Gene einschleusen, die dafür sorgen, dass die Zellen die gewünschten Proteine herstellen.

Die Methode hat den Vorteil, dass sich mit ihr in kurzer Zeit große Protein-Mengen gewinnen lassen, weil Pflanzen schnell wachsen.

Mit dem klinischen Test geht auch das EU-Projekt Pharma-Planta in die letzte Phase: Seit 2004 entwickeln 30 Partner aus Universitäten und Industrie einen Produktionsprozess für rekombinante pharmazeutische Proteine aus modifizierten Pflanzen.

Das Projekt soll zeigen, dass die Herstellung funktioniert, den hohen Anforderungen der Good Manufacturing Practice genügt und dass die Proteine wirksam sind, heißt es in der Mitteilung.

Professor Julian Ma, der wissenschaftliche Koordinator, erklärte in London: "Dies ist ein großer Tag für das Projekt. Die Zustimmung der MHRA, in die klinischen Studien einzusteigen, bedeutet für uns die Anerkennung, dass monoklonale Antikörper, die von Pflanzen erzeugt wurden, die gleiche Qualität haben wie mit konventionellen Methoden erzeugte. Das ist etwas, von dem man lange nicht gedacht hat, dass es möglich sein könnte".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »