Ärzte Zeitung, 25.01.2013

Kommentar zur Aids-Therapie

HAART ist nicht alles

Von Thomas Müller

Mit HIV lässt sich heute in Industriestaaten leben - allerdings noch immer mehr schlecht als recht. Das legen aktuelle US-Daten nahe.

Zwar ist die HIV-bedingte Mortalität mit Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) Mitte der 1990er-Jahre drastisch gesunken, schließlich lässt sich die Viruslast durch die Therapie häufig in den Griff bekommen.

Andere Lasten bleiben aber und drücken die Lebenserwartung von HIV-Infizierten - selbst dann, wenn sie nicht an Aids erkranken. Ein Problem sind offenbar Hepatitis-Infektionen und Drogenkonsum, aber auch Depressionen können den Betroffenen das Leben schwer machen.

Therapiekonzepte sollten daher nicht nur die Viruskonzentration und Lymphozytenzahl im Blick haben, sondern auch die Begleiterkrankungen HIV-Infizierter und das Milieu, aus dem sie stammen.

Zwar kann man die erschreckend niedrige Lebenserwartung HIV-Infizierter in den USA nicht unbedingt auf Deutschland übertragen - die soziale Absicherung und medizinische Versorgung sozial schwacher Gruppen sind hier deutlich besser.

Doch eines sollten wir trotzdem nicht vergessen: Eine HIV-Infektion ist weiterhin ein dramatischer Eingriff ins Leben. Um damit klar zu kommen, braucht es mehr als nur Arzneien.

Lesen Sie dazu auch:
HIV-Therapie: HAART, aber wirksam

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