Ärzte Zeitung, 30.06.2015

Präventionsstudien

Erfolge mit HIV-Arznei zur Prophylaxe

HIV-Forscher fordern, die Zulassung von Arzneien zur Präexpositionsprophylaxe voranzutreiben.

DÜSSELDORF. Die Deutsche Aids-Gesellschaft empfiehlt, wie bereits kurz berichtet, die Anwendung der Präexpositionsprophylaxe (PrEP) als wichtigen Baustein der HIV-Prävention bei Hochrisikogruppen.

Bei der PrEP erhalten HIV-negative, aber besonders infektionsgefährdete Menschen vorbeugend Arzneien der antiretroviralen HIV-Therapie, um sich bei Sexualkontakten vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.

Die Einnahme kann als Dauermedikation oder situationsbezogen vor und nach dem Sexualkontakt erfolgen.

Noch keine Zulassung in der EU 

Derzeit ist in der EU noch kein Medikament für die PrEP zugelassen. Einige können jedoch im Off-Label-use von Ärzten auf Privatrezept verschrieben werden. Georg Behrens, Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft, appellierte auf dem Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress in Düsseldorf an die Hersteller der Medikamente, die Zulassung voranzutreiben.

Ohne eine Zulassung solcher Medikamente für diese Indikation gebe es keinen Einsatz, Mediziner würden diese Medikamente nur zögerlich oder gar nicht verschreiben.

Zwei Studien aus Frankreich und Großbritannien hätten die Wirkung der PrEP bereits belegt, sagte Behrens. "Die Wirksamkeit und Effekte innerhalb der Studien sind so eindeutig, dass es daran gar keine Zweifel mehr geben kann."

Beide Untersuchungen bescheinigten der PrEP eine Effektivität von 86 Prozent. Probanden der Studie waren homosexuelle Männer, die in den vergangenen drei Monaten mehrfach ungeschützten Analverkehr mit verschiedenen Partnern hatten.

Als Medikament wird bei der PrEP Emtricitabin plus Tenofovir (Truvada®) eingesetzt, das sonst Bestandteil der HIV-Therapie bereits Infizierter ist. Außerdem getestet wurde der Wirkstoff Tenofovir (Viread®) allein und Maraviroc (Celsentri®).

Problematisch sind die derzeit noch hohen Kosten der Tabletten von monatlich rund 800 Euro. "In absehbarer Zeit werden diese Mittel als Generika verfügbar sein und damit günstiger werden", erwartet Behrens. (age)

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