Ärzte Zeitung, 02.03.2004

Nützt es, bei Infektionen der Atemwege viel zu trinken?

Australische Forscher finden keine Basis für gängige Empfehlung in der Praxis

QUEENSLAND (mal). Patienten mit Atemwegsinfekten wird oft empfohlen, viel zu trinken. Das auch zu tun, könnte ihnen Schaden bringen, meinen jetzt australische Forscher.

Unter dem Titel "Zu viel Wasser kann schaden" weist auch der "Spiegel" auf den Beitrag australischer Kollegen im "British Medical Journal" (BMJ 328, 2004, 499) hin. Darin hatten die Forscher um Professor Chris B. Del Mar aus Queensland die wissenschaftliche Literatur analysiert, um zu klären, welche Folgen vermehrtes oder reduziertes Trinken bei Patienten mit Atemwegsinfekten hat.

"Wir haben dazu keine randomisierte kontrollierte Studie gefunden", fassen die Forscher ihre Recherche zusammen. Sie weisen jedoch darauf hin, daß bei einem Infekt der unteren Atemwege, etwa einer Pneumonie, die ADH (Antidiuretisches Hormon)-Spiegel erhöht sein können - ein schon länger bekanntes Phänomen.

Das könnte auch zu Flüssigkeitsretention führen, zu Hyponatriämie und zu Komplikationen wie Verwirrtheit und Krämpfen, so die Forscher. Wegen solcher Risiken stellen sie auch den Nutzen, bei oberen Atemwegsinfekten zu viel Trinken zu raten, in Frage.

Nicht alle Kollegen teilen diese Schlußfolgerung . "Ich denke, daß die bei Pneumonie gewonnenen Daten nicht auf andere Krankheitsbilder extrapoliert werden können", schreibt dem BMJ online dazu der Kollege Peter J. Collignon aus Canberra. Und Yiu Wing Cheung aus Hongkong warnt: "Die Recherche-Ergebnisse könnten mißverstanden werden!"

... und was raten Sie Ihren Patienten?

Wie halten Sie es mit dem Tip "Trinken Sie viel!" für Patienten mit Atemwegsinfekten? Wie kommen die Kranken mit dem Tip klar? Schreiben oder mailen Sie uns - wir sind auf Ihre Erfahrungen gespannt: Fax: 06102- 506-224, med@aerztezeitung.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »