Ärzte Zeitung, 17.12.2004

Gastroenteritiden mit Noroviren häufen sich

Robert-Koch-Institut erwartet weitere Ausbrüche / Vor allem Heimbewohner bedroht / Neue Virusvariante

BERLIN (eis). Ausbrüche von Gastroenteritiden mit Noroviren häufen sich zur Zeit, warnt das Robert-Koch-Institut (RKI). Bedroht sind vor allem Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Bei Verdacht sind unverzüglich Maßnahmen zur Verhütung weiterer Infektionen einzuleiten.

Noroviren (früher als Norwalk-ähnliche Viren bezeichnet) gehören in Deutschland zu den häufigsten Erregern von Gastroenteritiden. Die auch "winter vomiting disease" genannten meldepflichtigen Infektionen häufen sich in der kalten Jahreszeit.

Aktuell habe die Zahl der übermittelten Infekte im Vergleich zum Vorjahr stark zugenommen, berichtet das RKI (Epidem Bull 50, 2004, 439). Ende November seien pro Woche über 2800 Infizierte gemeldet worden. Ähnlich wie 2002 deute sich dabei ein ausgeprägter Erkrankungsgipfel an. Damals wurden im Vergleich zur Vorsaison fünfmal so viele Erkrankungen registriert. Das RKI führt die Häufung in diesem Jahr auf die neu zirkulierende Virusvariante Jam(boree)-Il.4 zurück.

Die Infektion führt nach einer Inkubationszeit von etwa 24 Stunden zu Gastroenteritis mit starker Übelkeit, plötzlichem Erbrechen, abdominellen Krämpfen und Diarrhöe. Zum Virusnachweis sind Stuhlproben nötig.

      Bei Verdacht müssen Kranke unverzüglich
isoliert werden.
   

Beim ersten Hinweis auf Norovirus-Infektionen sollten - ohne mikrobiologische Ergebnisse abzuwarten - Maßnahmen zur Verhütung weiterer Infektionen eingeleitet werden, so das RKI.

Da die Viren über Erbrochenes und Stuhl ausgeschieden werden, sind zur Prävention vor allem Hygienmaßnahmen indiziert. Nach Angaben des RKI sollten Patienten isoliert werden (mit eigenem WC) und in der Händedesinfektion mit einem viruswirksamen Antiseptikum unterwiesen werden (auch der Besuch!).

Bei der Pflege und Betreuung der Patienten sind Einweghandschuhe und Schutzkittel zu tragen. Alle Oberflächen inklusive Türgriffen, mit denen Patienten in Berührung kommen, sollten mit einem Desinfektionsmittel täglich gereinigt werden.

Erbrochenes und kontaminierte Sachen sind sofort, nach Anlegen eines Mund-Nasen-Schutzes, desinfizierend zu beseitigen. Bett- und Leibwäsche müssen in einem geschlossenen Sack transportiert und bei über 60°C gewaschen werden.

Weitere Infos: www.rki.de/INFEKT/INF_A-Z/RAT_MBL/NORWALK.PDF

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »