Ärztliche Allgemeine, 07.11.2005

Als Malaria-Schutz genügt oft ein Stand-by-Medikament

V iele tropische Länder und auch einige subtropische sind Malaria-Gebiete - darüber muß man mit Reisenden unbedingt sprechen. Meist reicht heute aus, ein Medikament für den Notfall dabei zu haben.

Eine weibliche Mücke der Art Anopheles gambiae sticht zu. Nur die Anopheles-Weibchen saugen Blut und können so die Malaria-Erreger übertragen. Foto: dpa

Eine Chemoprophylaxe empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) nur noch für wenige Regionen, dort aber sollte sie wirklich konsequent eingehalten werden. Für die reisemedizinische Beratung sollte man sich aber genau über die aktuellen Empfehlungen für das jeweilige Zielland informieren.

Eine Chemoprophylaxe ist nur nötig für Reisende ins tropische Afrika und nach Indonesien östlich von Bali sowie in die Amazonas-Provinzen in Brasilien, nach Papua-Neuguinea und auf die Salomonen. Als Prophylaktika zur Auswahl stehen Mefloquin (Lariam®), die Kombination aus Atovaquon und Proguanil (Malarone®) und Doxycyclin. Auch in den thailändischen Provinzen Trat und Tak ist eine Chemoprophylaxe nötig.

Wegen der hohen Resistenzen der Plasmodien gegen Mefloquin sollten hier aber nur das Kombi-Präparat oder Doxycyclin eingesetzt werden. Für alle übrigen Malaria-Gebiete reicht ein Stand-by-Medikament: Mefloquin, die Kombination aus Atovaquon und Proguanil oder die aus Artemether und Lumefantrin (Riamet®). Wichtig sei, das Prophylaktikum jeweils individuell auszuwählen, betont Professor Hans-Dieter Nothdurft von der DTG.

Zu Doxycyclin gleich ein Antimykotikum dazu?

Mefloquin etwa wird von vielen Reisenden abgelehnt, weil es psychische Nebenwirkungen haben kann bis hin zu schweren Depressionen, die jeden Urlaub verderben können. Doch sie sind nicht so häufig. In einer britischen Studie aus dem Jahr 1996 mit 1214 Teilnehmern traten nur bei zehn (0,7 Prozent) neuropsychiatrische Nebenwirkungen auf.

Doxycyclin ist in Deutschland nicht zur Malaria-Prophylaxe zugelassen (darauf muß man hinweisen). Es sei aber sehr gut wirksam und habe sich seit Jahren bewährt, so Nothdurft. Eine häufige Nebenwirkung sind vaginale Mykosen. Einige Tropenmediziner geben deshalb gleich ein Antimykotikum dazu.

Inzwischen ist auch ein Malaria-Impfstoff für Kinder in Sicht. In einer Phase-II-Studie mit über 2000 Kleinkindern in Mozambik hat sich die Vakzine des Unternehmens Glaxo-SmithKline bewährt. Diese Vakzine, die bis 2010 auf den Markt kommen soll, wird für die Reisemedizin unbedeutend sein. Auch über 35 andere Impfstoffe sind in der Prüfung. (ug)

Gefahr aus der Luft - Schutz vor Mücken

Schutz vor Culex-Mücken in Kanada: Ein Netz vor dem Gesicht kann sinnvoll sein. Foto: pa

Stechmücken sind nicht nur lästig, in den Tropen und Subtropen können sie auch jede Menge Krankheitserreger übertragen: von Malaria-Plasmodien über Dengue-, West-Nil- und Gelbfieber-Viren bis hin zu Leishmanien und Filarien. Sich vor den Plagegeistern zu schützen, ist also auf jeden Fall sinnvoll. Wie man das am besten macht, sollte auch ein Thema für das reisemedizinische Gespräch sein.

Am besten wirken Mückenschutzmittel mit den Wirkstoffen DEET oder Bayrepel®. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, die Kleidung mit einem Permethrin-Spray zu imprägnieren. Ist es warm und feucht, muß man sich öfter mit dem Mückenmittel einschmieren, mitunter sogar alle zwei Stunden. Es genügt aber, das Mückenmittel dünn aufzutragen. Sonnencreme gehört immer unter das Repellent.

Anopheles-Mücken, die die Malaria-Erreger übertragen, stechen nur in der Dämmerung und nachts, man muß sich also erst ab dem späten Nachmittag vor ihnen schützen. Aedes-Mücken, die das Dengue-Fieber-Virus übertragen, dagegen sind tag- und nachtaktiv. Man sollte sich deshalb vorher erkundigen, welche Gefahren aus der Luft einen im Urlaubsland erwarten.

Vor Mückenstichen besser geschützt ist, wer selbst nur wenig duftet - duftende Seifen, Deos und Parfums sind ungünstig. Auch Sauberkeit schützt, denn alter Schweiß zieht Stechmücken ebenfalls an. (ug)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »