Ärzte Zeitung, 30.03.2006

Faustregel erleichtert die Malaria-Beratung

Malaria-Risiko im Süden Afrikas mit starken geographischen und saisonalen Schwankungen

BERLIN (ug). Die Malaria-Beratung für Touristen, die in Länder im Süden Afrikas fahren, ist nicht ganz einfach. Durch klimatische und geographische Einflüsse ist das Risiko je nach Saison unterschiedlich. Das wiederum hat Einfluß auf die jeweils nötige Prophylaxe.

"Eine statische Grenzlinie zwischen malaria-frei und malaria-endemisch, wie viele Verbreitungskarten vortäuschen, gibt es nicht", so Dr. Klaus-J. Volkmer vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf.

Eine breite Übergangszone verlaufe durch die Reiseländer Namibia, Botswana, Simbabwe, Südafrika und Swasiland, sagte Volkmer auf einem reisemedizinischen Forum in Berlin, das das CRM, das Auswärtige Amt und das Tropeninstitut Berlin veranstaltet haben. Deshalb müsse die Beratung jeweils individuell sein.

Bei der Malaria-Beratung geht es primär um die Frage: Ist eine Chemoprophylaxe nötig, oder reicht ein sorgfältiger Mückenschutz aus? Volkmer hat eine Faustregel: Er rät dann zur Chemoprophylaxe,

  • wenn es sich um eine Safari oder ein Trekking handelt,
  • bei kurzer Reisedauer in der Regenzeit,
  • wenn Plasmodium falciparum die im Reisegebiet vorherrschende Parasitenart ist,
  • wenn Resistenzen vorhanden sind,
  • wenn geplante Unterkünfte wohl nicht mückensicher sind,
  • wenn abends Außenaktivitäten geplant sind und
  • wenn vor Ort nicht immer ein Arzt zu erreichen ist.

Dagegen könnten sich Touristen wahrscheinlich mit einem guten Mückenschutz begnügen:

  • bei stationären Aufenthalten in mückensicheren Unterkünften (etwa Zimmer mit Klimaanlage),
  • wo ständig ein Arzt erreichbar ist,
  • wenn Außenaktivitäten nur tagsüber geplant sind,
  • bei Langzeitaufenthalten,
  • bei geringer Malaria-Prävalenz,
  • bei Reisen in der Trockenzeit (also im Winter),
  • wenn keine Resistenzen bekannt sind und
  • wenn Plasmodium vivax oder ovale die Hauptparasitenarten im Zielgebiet sind.

Ist eine Chemoprophylaxe nicht nötig, kann es aber sinnvoll sein, ein Stand-by-Medikament mitzugeben.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Schwierig, aber gut gemacht

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »