Ärzte Zeitung, 02.05.2007

Hautinfekte in der Sportlertruppe? - Das können MRSA sein!

Gefährliche Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA) führen zu nekrotisierenden Infektionen / Oft völlig gesunde Menschen infizieren sich

WIESBADEN (awa). Auch in Deutschland muss mit Methicillin-resistenten Staphylokokken (MRSA) außerhalb von Kliniken gerechnet werden. Die Keime hatten sich in den vergangenen Jahren vor allem in den USA regional ausgebreitet. Oft völlig gesunde Menschen infizieren sich ambulant und erkranken teilweise schwer an Haut- und Weichteil-Infektionen oder auch an nekrotisierenden Pneumonien.

Staphylococcus aureus: Der linke Partikel löst sich nach Antibiotika-Zugabe auf. Zunehmend werden Antibiotika-resistente Staphylokokken isoliert. Foto: Archiv

Die Erreger werden community-acquired MRSA (cMRSA) genannt und treten bei eher jüngeren, sonst gesunden Menschen auf - wie zum Beispiel bei Mannschaftssportlern, Kindergartenkindern, Soldaten und Gefängnisinsassen. Darauf hat Dr. Béatrice Grabein vom Pettenkofer-Institut in München hingewiesen. Die neuen Keime unterscheiden sich dadurch von hospital-acquired MRSA (hMRSA), die bevorzugt ältere und schwer kranke Patienten bei langen Klinikaufenthalten befallen.

Das Erkrankungsspektrum ist bei beiden Erregerformen ähnlich: Haut- und Weichteil-Infektionen, Pneumonie und Sepsis. Allerdings verlaufen cMRSA-Infektionen eher nekrotisierend, sagte Grabein auf einer Veranstaltung von Abbott in Wiesbaden. Nach ihren Angaben sind die Keime in Deutschland selten. Eine mikrobielle Diagnostik auf cMRSA sei aber sinnvoll,

  • wenn sich Haut- und Weichteil-Infektionen in Familien häufen,
  • wenn die Infekte rezidivieren etwa bei sonst gesunden Menschen ohne vorherigen Klinikaufenthalt, oder in Gruppen wie bei Kindern, Feuerwehrleuten und Sportlern sowie
  • bei nekrotisierender ambulant erworbener Pneumonie.

"Die hMRSA zeichnen sich durch Multiresistenz, cMRSA dagegen durch Virulenz aus", sagte Grabein. Der durch Phagen übertragene Virulenzfaktor PVL-Toxin (Panton-Valentin-Leukozidin) führe zu Gewebsnekrosen und zur Destruktion von Leukozyten. Bis in die 70er Jahre sei das Toxin nur bei Methicillin-sensiblen Erregern von Haut- und Weichteilinfektionen verbreitet gewesen. cMRSA sind gegen Betalaktam-Antibiotika resistent und gegen Fusidinsäure nur eingeschränkt empfindlich.

Mitte der 90er Jahre wurden die cMRSA das erste Mal bei Minderheiten in den USA und Australien nachgewiesen. Nach mehreren kleineren Ausbrüchen haben sich die Keime in einigen US-Regionen stark verbreitet und verursachen dort mittlerweile 60 bis 70 Prozent aller ambulant erworbenen Haut- und Weichteilinfektionen mit Staph. aureus. Inzwischen seien auch multiresistente, virulente cMRSA isoliert worden, so Grabein. Sie seien durch eine Mischung von cMRSA und hMRSA entstanden.

Auch in Frankreich, Deutschland und der Schweiz gibt es cMRSA. In Deutschland erkrankten 2003/2004 in Südostbayern binnen acht Monaten 117 Menschen an cMRSA-Infektionen. Mittlerweile seien auch mehrere kleine Ausbrüche verteilt über ganz Deutschland nachgewiesen worden, so Grabein.

STICHWORT

PVL-Toxin

Das Toxin PVL (Panton-Valentin-Leukozidin) erhöht die Virulenz der Staphylokokken deutlich. Das Eiweißmolekül verursacht Löcher in der Hülle von neutrophilen Granulozyten, Makrophagen und Erythrozyten. Granulozyten werden dadurch aktiviert und Entzündungsmediatoren freigesetzt. In der Folge kommt es zur Vasodilatation und zu vermehrtem Einstrom von Leukozyten. (eb)

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