Ärzte Zeitung, 22.01.2008

BSE wird offenbar nicht maternal übertragen

Nachkommen von infizierten Kühen sind gesund

GÖTTINGEN (pid). Die Rinderkrankheit BSE wird offenbar nicht von Muttertieren auf die Nachkommen übertragen. Das haben Studien des Tierärztlichen Instituts der Universität Göttingen gezeigt. Die Forscher um Institutsleiter Professor Bertram Brenig haben in den vergangenen sieben Jahren insgesamt über 100 Nachkommen von BSE-positiv getesteten Rindern untersucht.

 BSE wird offenbar nicht maternal übertragen

Professor Bertram Brenig: Keines der Nachkommen von etwa 50 BSE-positiven Kühen ist an BSE erkrankt.

Foto: pid

Ungefähr 50 Tiere waren in speziell präparierten Quarantäne-Ställen der Universität Göttingen untergebracht. Die bisherigen Untersuchungen hätten gezeigt, dass die so genannte maternale Übertragung bei BSE offenbar nicht von Bedeutung ist, sagte Brenig.

Die Forscher haben über Generationen verfolgt, ob die BSE-auslösenden Erreger von erkrankten Muttertieren auf die Nachkommen übertragen werden. Bislang sei dies bei keinem Tier der Fall gewesen, sagte Brenig. Keines der Tiere habe Krankheitssymptome gezeigt, und auch die BSE-Tests hätten keinen Hinweis auf eine Infektion erbracht. Diese Ergebnisse müssten allerdings noch statistisch abgesichert werden.

Damit unterscheidet sich die Rinderkrankheit von der Schafkrankheit Scrapie, die ebenso wie BSE und die bei Menschen auftretende Creutzfeldt-Jakob-Krankheit zu den Prionkrankheiten zählt. Bei Scrapie wird die Infektion um den Geburtszeitraum vom Mutterschaf auf die Nachkommen übertragen.

Gleichzeitig erhärtet sich damit die Vermutung, dass infiziertes Tierfutter der Auslöser für die meisten BSE-Fälle gewesen ist. Seit Anfang 2001 ist die Verfütterung von Tiermehl an Rinder verboten. Seitdem wurden außerdem alle über 24 Monate alten Rinder nach der Schlachtung auf BSE getestet. Auch wenn aufgrund des Verfütterungsverbotes kaum noch Neuinfektionen auftreten dürften, seien BSE-Tests auch in Zukunft weiter nötig, sagt Brenig. Es gebe inzwischen Hinweise auf so genannte Spontanerkrankungen, die nicht auf die Fütterung zurückgeführt werden könnten. Bei diesen sporadischen Fällen liege ein anderes Muster vor als bei den sonstigen BSE-Erkrankungen. Möglicherweise gebe es auch Gen-Mutationen, die zu BSE führen.

Insgesamt ist die Zahl der infizierten Rinder in Deutschland weiter rückläufig. In diesem Jahr wurden nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums bis Ende Oktober vier Rinder positiv auf BSE getestet, ein Tier kam aus Niedersachsen. Im vergangenen Jahr gab es bundesweit 16 Fälle, davon fünf in Niedersachsen.

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