Ärzte Zeitung, 13.02.2008

Maßgeschneiderte T-Zellen sind ein Ansatz gegen Infektionen mit HIV

Immunzelltherapien wirken auch langfristig / Gedächtniszellen werden gebildet

BERLIN (eb). Forscher der Charité in Berlin haben einen neuen Weg entdeckt, im Immunsystem langfristig wirkende Abwehrzellen gegen Infektionen zu erzeugen. Die Wissenschaftler um Professor Max Löhning konzentrierten sich dabei auf die T-Helferzellen. Durch ihr Forschungsergebnis sind sie dem Ziel, maßgeschneiderte Gedächtniszellen herzustellen, einen deutlichen Schritt näher gekommen.

 Maßgeschneiderte T-Zellen sind ein Ansatz gegen Infektionen mit HIV

Wichtiger Teil der Immunabwehr: blau gefärbte T-Zelle unter dem Elektronen-Mikroskop.

Foto: Löhning / Charité Berlin

Einige dieser T-Helferzellen produzieren Abwehrstoffe, die Effektor-Zytokine. Diese steuern die Antwort des Immunsystems gegen eindringende Viren. Andere Immunzellen wirken als langlebige Gedächtniszellen, die bei einer erneuten Infektion umso stärker Keime abwehren. "Wir wollten wissen, ob sich die Zellen, die bereits Abwehrstoffe produziert haben, zu Gedächtniszellen entwickeln können", so Löhning. "Bisher ging man davon aus, dass diese Zellen sehr schnell sterben."

Erstmals gelang es den Forschern nun, diese Zellen aus Mäusen zu isolieren, in andere Mäuse zu übertragen und das Verhalten der Zellen dort über längere Zeit zu beobachten. Überraschend war, dass viele T-Zellen noch Jahre nach der ersten Infektion lebten und sich tatsächlich in Gedächtniszellen verwandelt hatten. Sie hatten sich die optimale Immunantwort auf ein ganz bestimmtes Virus gemerkt (J Exp Med 205, 2008, 53).

"Damit sind wir dem Ziel, maßgeschneiderte Gedächtnis-T-Zellen zu erzeugen, einen großen Schritt näher gekommen", sagt Löhning. Das ist wichtig für Menschen mit langwierigen Infektionskrankheiten, die auf Immunzelltherapien angewiesen sind. Ihnen werden Abwehrzellen entnommen, auf eine Immunantwort hin trainiert und wieder eingesetzt. "Wir wissen jetzt, dass diese Therapien auch langfristig wirken können, weil Gedächtniszellen entstehen", so Löhning.

Ebenso bedeutsam könnte das Verfahren seiner Ansicht nach für die Entwicklung alternativer Impfstrategien bei jenen Patienten sein, bei denen die passive Immunisierung versagt. Dazu könnte eines Tages auch der Aids-Erreger HIV gehören. Er verändert immer wieder seine Oberflächenstruktur und ist daher für Antikörper schlecht erkennbar. Maßgeschneidert erzeugte Gedächtnis-T-Zellen könnten eines Tages das Virus trotz dieser Verkleidungen wirkungsvoll bekämpfen, hofft Löhning.

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