Ärzte Zeitung online, 22.04.2008

Ärzte ohne Grenzen: Zu wenig Forschung zu Tb und Malaria

BERLIN (dpa). Deutschland engagiert sich nach einem Bericht der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen viel zu wenig bei der Entwicklung neuer Medikamente gegen Tuberkulose, Malaria und anderen Tropenkrankheiten.

Gemessen an der Wirtschaftskraft der Bundesrepublik sei die öffentliche Forschungsförderung in diesen Bereichen unterdurchschnittlich, kritisierte die Organisation am Dienstag in Berlin. Durch fehlende neue Medikamente und Therapien sterben nach Angaben der Hilfsorganisation jedes Jahr weltweit allein drei Millionen Menschen an Tuberkulose und Malaria.

Robert Koch würde sich im Grab umdrehen, wenn er das Erbe seiner Tuberkulose-Forschung in Deutschland betrachtete, heißt es in dem Bericht der Hilfsorganisation. Vor rund 125 Jahren entdeckte der Forscher den Tuberkulose-Erreger.

Seit 90 Jahren gibt es einen Impfstoff und seit rund 50 Jahren Medikamente. In den Industrienationen ist Tuberkulose deshalb heute eingedämmt. Doch in ärmeren Ländern reichen die gängigen Therapien nicht mehr aus, um multiresistente Erreger in Schach zu halten. Es fehlten neue Medikamente, einfache Tests und ein wirksamer Impfstoff, sagte Frauke Jochims, Tuberkulose-Expertin bei Ärzte ohne Grenzen.

Nach Rechnung der Hilfsorganisation gab Deutschland im Jahr 2007 rund 7,5 Millionen Euro für die Tuberkuloseforschung aus. Nötig und der Wirtschaftskraft angemessen seien jedoch allein hier 62 Millionen Euro. Für die Forschungsförderung gefragt seien neben den Bundesministerien und den Bundesländern auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie die Max-Planck-, Helmholtz- oder Fraunhofer-Institute.

Das neueste Medikament gegen einen gefährliche Malariatyp wurde vergangene Woche auf den Markt gebracht - in Brasilien. Entwickelt hat es eine Non-Profit-Organisation, die von Ärzte ohne Grenzen 2007 mit 5 Millionen Euro unterstützt wurde. Die neue Kombinationstherapie soll die Behandlung von Erwachsenen und Kindern verbessern. Denn noch immer stirbt weltweit alle 30 Sekunden ein Kind an Malaria. Das neue Präparat ASMQ kombiniere Artesunat (AS) und Mefloquin (MQ) und sei ein "wichtiges Instrument im Kampf gegen Malaria". Es sei in Zusammenarbeit mit der brasilianischen Firma Farmangiunhos/Fiocruz entwickelt worden.

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