Ärzte Zeitung online, 29.04.2008

1500 Kinder in China mit Virus angesteckt - bereits 20 gestorben

Peking (dpa). Nach mehr als 1500 bei einer Virusepidemie angesteckten und mindestens 20 toten Kindern wächst die Kritik an den Behörden in Ostchina. Im Internet und in den Medien wird kritisiert, dass der schwere Ausbruch des Enterovirus 71 (EV 71) zu spät gemeldet worden sei, wie die Zeitung "Shanghai Daily" am Dienstag berichtete. Zudem sei mit der verspäteten Reaktion die Chance verpasst worden, Infektionen zu verhindern oder Kinder frühzeitig zu behandeln.

Die Behörden der Stadt Fuyang (Provinz Anhui) begründeten die späte Reaktion mit der fehlenden Erfahrung bei entsprechenden Ausbrüchen. Es habe Zeit gebraucht, zunächst das Virus zu bestimmen, erklärte Wan Junfeng, Vizedirektor des städtischen Zentrums für Bekämpfung von Krankheiten. Der erste Todesfall habe sich bereits am 27. März ereignet, sei aber nicht an die höheren Stellen der Provinzbehörden gemeldet worden, berichtete die Zeitung weiter. Der Ausbruch sei erst zwei Tage später berichtet worden, als bereits vier weitere Kinder gestorben waren.

Bis zum Dienstagmorgen (Ortszeit) hätten sich 1520 Kinder mit dem Virus angesteckt. 341 befanden sich noch im Krankenhaus, 27 davon in kritischem Zustand, wie die Zeitung weiter berichtete. Die Opfer waren ausnahmslos jünger als sechs Jahre und die meisten sogar unter zwei Jahren alt. Um eine weitere Verbreitung des Virus aufzuhalten, seien die Kindergärten geschlossen worden.

Laut Nachrichtenagentur Xinhua gibt es keinen Impfstoff gegen das Virus, das die Hand-Fuß-Mund-Krankheit auslösen könne. Die Krankheit ist zwar hoch ansteckend, verläuft normalerweise aber harmlos und heilt nach rund einer Woche auch ohne Behandlung folgenlos aus. Das Enterovirus 71 kann allerdings auch zu Lähmungen und Hirnhautentzündung führen. Die Kinder hätten Symptome wie hohes Fieber, Bläschen und Geschwüre im Mund sowie Ausschlag an Händen und Füßen gezeigt.

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