Ärzte Zeitung online, 11.07.2008

Erstmals Marburg-Virus in Europa - Niederländerin schwer erkrankt

DEN HAAG/HAMBURG (dpa). Erstmals hat eine Patientin das tödliche Marburg-Virus aus Afrika nach Europa eingeschleppt. Nach einem Urlaub in Uganda liegt die etwa 40-jährige Niederländerin nun in der Universitätsklinik von Leiden. "Sie ist schwer erkrankt, aber ihr Zustand ist stabil", sagte einer der Ärzte am Donnerstag.

Das niederländische Reichsinstitut für Gesundheit versicherte, die Gefahr einer Verbreitung des Virus sei gering. Etwa 100 Menschen, die Kontakt mit der Touristin gehabt haben könnten, würden medizinisch beobachtet.

Das Marburg-Virus führt meist zu schweren inneren Blutungen. Bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben. Ein Medikament gegen die Infektion gibt es nicht. Es handele sich um den ersten Fall überhaupt, in dem ein Patient das gefährliche Virus aus Afrika herausgebracht habe, berichtete das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, wo der Erreger in Proben der Niederländerin nachgewiesen worden war.

Das niederländische Institut berichtete, die Frau habe in Uganda eine Höhle besichtigt, in der viele Fledertiere leben. Vermutlich sei sie dort infiziert worden. Schon im vergangenen Jahr war der Marburg-Erreger in Uganda bei in Höhlen lebenden Flughunden gefunden worden.

Der Leiter der Virologie des Hamburger Tropeninstituts, Privatdozent Stephan Günther, sagte, die Patientin sei zur Zeit ihres Rückflugs noch nicht erkrankt. Es gebe keine Hinweise, dass Patienten vor dem Ausbruch der Krankheit ansteckend seien.

Nach den niederländischen Angaben wurde die Frau am 5. Juli in ein Krankenhaus in Helmond aufgenommen, zwei Tage später in einem verschlechterten Zustand zur Uniklinik in Leiden überwiesen. Dort wurde sie streng isoliert. Eine Ansteckung ist aber nach diesen Angaben nur durch Kontakt mit Körperflüssigkeit der Erkrankten möglich.

Das Marburg-Virus war 1967 in Marburg entdeckt worden, nachdem sich mehrere Mitarbeiter eines Labors an Versuchsaffen aus Uganda infiziert hatten. Das nun aus der Niederländerin isolierte Virus habe eine sehr ähnliche Erbgutsequenz wie die damals in Marburg entdeckten Erreger, sagte Günther.

Stichwort Marburg-Virus

Das Marburg-Virus gehört zu den gefährlichsten bekannten Krankheitserregern. Infektionen damit sind zwar selten, aber oft tödlich, berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zudem nehmen Ausbrüche oft einen dramatischen Verlauf. Die Viren gehören laut WHO zu den ansteckendsten Krankheitserregern.

Die Krankheit beginnt abrupt mit schlimmen Kopfschmerzen und großem Unwohlsein. Zwischen dem 5. und 7. Tag kommt es oft zu schweren Blutungen aus allen Körperöffnungen sowie in den inneren Organen (hämorrhagisches Fieber). Hohes Fieber, Organversagen und Herz-Kreislauf-Beschwerden sind weitere Folgen.

Es gibt weder Impfstoff noch Gegenmittel. Nur die Symptome können mit Medikamenten zur Stützung des Kreislaufs und des Gerinnungssystems gelindert werden. Der Anteil der Toten unter den Infizierten schwankt zwischen 25 und 90 Prozent.

Erstmals beobachtet wurde das Virus im Sommer 1967 im mittelhessischen Marburg. Später gelangte es auch nach Frankfurt und Belgrad. Insgesamt wurden damals 31 Menschen infiziert, 7 starben, 5 davon in Marburg. Damals kamen die Erreger mit Versuchsaffen aus Uganda nach Marburg.

Wahrscheinlich sind Afrikanische Flughunde das lange gesuchte Wirtstier für das Virus. Forscher hatten die Tiere in Westuganda und Kongo-Brazzaville untersucht und fanden in 4 von 283 Nilflughunden (Rousettus aegyptiacus) das Erbgut der Marburg-Viren. Die Tiere selbst fressen Früchte, werden aber von Menschen gejagt und verzehrt.

Zusammen mit dem noch gefährlicheren Ebola-Virus zählt das Marburg-Virus zu den Filoviren. Infektionen damit breiten sich oft nicht sehr weit aus, weil etliche Patienten sterben, bevor sie viele andere Menschen infizieren. Ausbrüche gab es von 1998 bis 2000 in der Demokratischen Republik Kongo und 2004 in Angola.

Infos der WHO zu Marburg-Viren: www.who.int/csr/disease/marburg/en/index.html

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