Ärzte Zeitung, 17.07.2008

Macht Chloroquin Bakterien resistent gegen Antibiotika?

Fluorochinolon-Resistenzen bei Ureinwohnern

TORONTO (dpa). Chloroquin ruft womöglich Resistenzen gegen Fluorochinolone bei Bakterien hervor, schreiben kanadische Forscher.

Die Forscher hatten resistente Darmbakterien bei Bewohnern abgelegener südamerikanischer Dörfer gefunden, die niemals Antibiotika, wohl aber das Malaria-Medikament eingenommen hatten (wie kurz berichtet). Bestätige sich der Verdacht, könne es in Malaria-Gebieten Probleme bei der Therapie von Patienten mit bakteriellen Infekten geben.

Für die Studie wurden von 2002 bis 2005 Stuhlproben von Bewohnern mehrerer Dörfer in Guyana analysiert und es wurde zudem nach der Einnahme von Medikamenten gefragt. Bei mehr als fünf Prozent der Probanden fanden die Forscher Darmbakterien, die gegen Ciprofloxacin resistent waren.

Dies sei erstaunlich, da keiner der Befragten jemals Ciprofloxacin oder ein anderes Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorochinolone eingenommen habe, berichten die Forscher (PloS One online). Normalerweise entstehen antibiotikaresistente Bakterien nur unter der Behandlung mit dem entsprechenden Antibiotikum. Vor allem die hohe Rate der Resistenzen überraschte. Auf Intensivstationen in US-Krankenhäusern, wo Ciprofloxacin häufig angewendet wird, fänden sich gerade einmal bei vier Prozent der Patienten resistente Bakterien.

Der Verdacht, dass die Resistenzen durch Chloroquin hervorgerufen werden, erhärtete sich durch mehrere Beobachtungen: Das Mittel ist chemisch mit den Fluorochinolonen verwandt. Bis zu 86 Prozent der Ureinwohner hatten während eines schweren Malaria-Ausbruchs 2002 Chloroquin eingenommen. Und im Labor entwickeln Colibakterien Resistenzen gegen Fluorochinolone, werden sie Chloroquin ausgesetzt.

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