Ärzte Zeitung, 01.08.2008

Ausschlag - "Waren Sie in der Schweiz?"

Gehäuft Masernausbrüche im Süden Deutschlands / Der Masernausbruch in der Schweiz ist nicht unter Kontrolle

NEU-ISENBURG (ner). Im Süden Deutschlands werden seit Anfang des Jahres immer wieder lokale Masernausbrüche beobachtet, die ungeimpfte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betreffen. Dies steht im Zusammenhang mit einem seit November 2006 anhaltenden Masernausbruch in der Schweiz.

Mit diesem Exanthem stellte sich ein Patient vor - Verdacht auf Masern bestätigte sich mit Antikörpern.

Foto: Dr. Bernd Walter

Deshalb ist es empfehlenswert, bei Verdacht auf Masern nach einem Aufenthalt in der Schweiz zu fragen.

So beschreibt etwa der Münchner Kollege Dr. Bernd Walther den Fall eines 36-jährigen Mannes, der zwei Wochen nach einem Schweizaufenthalt über Gliederschmerzen, Husten, Schnupfen, hohes Fieber und eine Bindehautentzündung klagte (MMW 18, 2008, 4).

Auf der Wangenschleimhaut fielen etwa ein Millimeter große blau-weiße Flecken auf. Später kam es zu einem makulösen, nicht juckenden Exanthem, das sich vom Kopf nach kaudal ausbreitete. Am Hals sowie axillär bestand eine Lymphknotenschwellung. Der Allgemeinzustand des Patienten war in dieser Phase deutlich reduziert.

Die laborchemisch ermittelte Lymphopenie und die Leukopenie seien klassisch für Masern und wahrscheinlich auf den Leukozytenbefall durch das Virus zurückzuführen, so Walther. Das C-reaktive Protein (CRP) war mit 29 mg/l mittelgradig, die Transaminasen dreifach erhöht. Die Verdachtsdiagnose Masern bestätigte sich zehn Tage später mit ansteigenden IgM-Antikörper-Titern. Eine Röntgen-Thorax-Aufnahme zum Ausschluss einer Masernpneumonie erwies sich als unauffällig. Nach 14 Tagen war die Krankheit komplikationslos ausgeheilt.

Der seit November 2006 bestehende Masernausbruch in der Schweiz ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin bislang nicht unter Kontrolle. Bis April dieses Jahres waren insgesamt bereits über 2300 Masernerkrankungen gemeldet worden.

Allein im Januar und Februar erkrankten in der Schweiz mehr als 300 Personen, vor allem in Kantonen nahe der deutschen Grenze. Einschleppungen der Erreger führten in Baden-Württemberg und Bayern gehäuft zu Krankheitsausbrüchen, in Baden-Württemberg waren es 240 Fälle (Epidemiologisches Bulletin 19 vom 9. Mai 2008). Das Ziel der WHO, die Masern bis 2010 in Europa zu eliminieren, sei gefährdet, so das RKI.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt generell allen ungeimpften oder einmalig geimpften Personen oder Personen mit unklarem Immunstatus und mit Kontakt zu Masernerkrankten eine (erneute) Impfung, vorzugsweise mit einem MMR-Impfstoff innerhalb von drei Tagen nach Exposition. MMR-Impfstoffe sind in Deutschland auch für Erwachsene zugelassen. Demnach besteht auch eine Impfempfehlung für Personen, die in Regionen eines aktuellen Masernausbruchs reisen.

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