Ärzte Zeitung online, 06.10.2008

Desinfektion von Containern kann Verbraucher krank machen

HAMBURG (dpa). Giftige Chemikalien, mit denen Millionen von Frachtcontainern weltweit in den Häfen entkeimt werden, bedrohen einer Hamburger Studie zufolge die Gesundheit der Verbraucher - obwohl sie die Bevölkerung eigentlich schützen sollen.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass sich die gefährlichen Gase teilweise auch auf den eingeführten Waren ablagern. Verunreinigt waren etwa Lebensmittel, Elektrogeräte, Matratzen, Kleidung und Schuhe, wie Lygia Therese Budnik und Xaver Baur vom Hamburger Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin am Montag auf dem Europäischen Lungenkongress in Berlin berichteten.

Die Rückstände der chemischen Mittel könnten unter anderem Hautallergien, Atembeschwerden und Asthmaanfälle auslösen, schreiben die Forscher - sogar in geringen Dosen. In höheren Konzentrationen könnten sie auch zu Lungenentzündungen und Lungenödemen führen. Einige der Gase gelten als krebserregend.

Viele Länder haben strenge Desinfektionsregeln eingeführt

Weil der internationale Handel wächst und daher Millionen von Frachtcontainern kreuz und quer durch die Welt reisen, haben viele Länder strenge Desinfektionsregeln in ihren Häfen eingeführt. Damit wollen sie verhindern, dass bestimmte Tier- und Pflanzenarten sowie gefährliche Mikroorganismen eingeschleust werden. In der Regel werden die Container mit Gasen - auch mit Pestiziden - desinfiziert. Diese Substanzen stellen der Studie zufolge nicht nur für die Hafenarbeiter ein Gesundheitsrisiko dar, sondern auch für die Verbraucher.

Die Wissenschaftler untersuchten zweieinhalb Jahre in den Häfen Hamburg und Rotterdam die Luftqualität von Containern

Die Wissenschaftler haben zweieinhalb Jahre lang in den großen Häfen Hamburg und Rotterdam die Luftqualität von Containern untersucht - und zwar mit 200 Proben aus Hamburg und 300 aus Rotterdam. Zuvor hatten die Forscher Messmethoden entwickelt, mit denen auch winzige Konzentrationen der am häufigsten eingesetzten Desinfektionsmittel entdeckt werden können. So war bei fast einem Fünftel der Container die erlaubte Menge an giftigem 1,2-Dichlorethan überschritten. Die Hamburger Forscher beklagten, dass es keinerlei Warnhinweise auf den Containern gebe.

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