Ärzte Zeitung online, 30.01.2009

Gemeinsam den Viren auf der Spur

ESSEN (eb). Winterzeit ist Grippezeit, und Viren haben Hochkonjunktur. Eine Forschergruppe aus Essen, Bochum und Düsseldorf will den Viren das muntere Spiel verderben: Sie suchen nach Möglichkeiten, wie sie die Wirtszellen vor dem Eindringen der Viren schützen können. Mit dieser Behandlungsmethode würden die Viren nicht so schnell resistent werden, hoffen die Wissenschaftler.

Medikamente zur Behandlung chronischer Viruserkrankungen wie HIV und Hepatitis stehen zwar bereit, die komplette Eliminierung der Viren aus dem Körper gelingt damit allerdings bislang nicht. Im interdisziplinären Team aus Virologen und Mikrobiologen ist man an Rhein und Ruhr Therapien auf der Spur, die es den Viren erschweren sollen, sich die körpereigenen Wirtszellen zu Nutze zu machen. Dabei geht es übrigens nicht nur um Grippeviren, sondern vor allem um Hepatitis Viren und HIV.

"Wir wollen neue Behandlungsmethoden entwickeln, die nicht den Erreger selbst angreifen, sondern das Immunsystem so stärken, dass es selbst mit den Viren fertig wird", erläutert Professor Ulf Dittmer vom Essener Universitätsklinikum, der Sprecher des Graduiertenkollegs ist. "Diese Herangehensweise hat den Vorteil, dass die Viren nicht so schnell Resistenzen gegen bestimmte Medikamente entwickeln können", erklärt der Essener Virologe. Bakterien, Herpesviren, Hepatitis B- und C-Viren, HIV und deren Interaktionen mit den körpereigenen Zellen werden von insgesamt drei Generationen junger Forscher aus sechs verschiedenen Nationen genau unter die Lupe genommen.

Infektiologisches Forum Rhein-Ruhr geplant

Ungewöhnlich an diesem Graduiertenkolleg ist übrigens nicht nur der interdisziplinäre Ansatz, sondern auch die universitäts- und städteübergreifende Zusammenarbeit der Nachwuchswissenschaftler: Die medizinischen Fakultäten der Universität Duisburg-Essen, der Ruhr-Universität Bochum und der Düsseldorfer Heinrich-Heine Universität arbeiten Hand in Hand, stellen Forscher und namhafte Betreuer für die Doktoranden.

"Normalerweise fördert die DFG standortbezogen, deshalb ist es außergewöhnlich, dass hier Forscher von gleich drei Standorten zusammenarbeiten können. Diese enge Zusammenarbeit mit Bochum und Düsseldorf möchten wir übrigens künftig weiter ausbauen, auch über das Graduiertenkolleg hinaus", sagt Professor Ulf Dittmer - und erklärt, man wolle ein Infektiologisches Forum Rhein-Ruhr einrichten, um gemeinsam hartnäckigen Krankheitserregern etwas entgegen zu setzen. "Eine der Stärken dieses Graduiertenkollegs ist es auch, dass wir hier den wissenschaftlichen Nachwuchs interdisziplinär und sehr praxisnah ausbilden können. So wird die Forschung der Zukunft auf sichere Beine gestellt", betont Dittmer.

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