Ärzte Zeitung online, 09.02.2009

Kälber verbluten an unbekannter Krankheit

MÜNCHEN/HAMBURG (dpa). In Deutschland sterben Kälber an mysteriösen Blutungen. Zunächst gesunde Tiere werden matt, bluten an Körperöffnungen, Schleimhäuten und auch durch die unverletzt erscheinende Haut. Häufig verenden die Kälber an den Folgen des Blutverlustes, wie Eva Kappe vom Tiergesundheitsdienst Bayern in München berichtet.

"Die Ursache ist noch unbekannt", sagte Kappe auf Anfrage am Montag. "Eine Infektionskrankheit oder eine Vergiftung sind denkbar." Meist seien es Einzelfälle, die Krankheit breite sich offensichtlich nicht gleich über den ganzen Stall aus.

Experten des Tiergesundheitsdienstes fanden bisher bei allen betroffenen Kälbern auch starke innere Blutungen. Zudem war das blutbildende Knochenmark der Kälber stark geschädigt. So könnten die Blutungen Folge einer Blutgerinnungsstörung sein, weil die dafür benötigten Blutplättchen nicht mehr im Knochenmark hergestellt werden, vermutet der Gesundheitsdienst auf seiner Internetseite. Nach wie vor ungeklärt sei aber, was zu der Knochenmarkschädigung führe. Bekannte infektiöse und nichtinfektiöse Krankheitsursachen seien durch Labortests ausgeschlossen worden. Auch weitere Tiermediziner rätseln über das Krankheitsbild, das einige umgangssprachlich auch "Blutschwitzen" nennen.

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" zufolge sind in den vergangenen zwei Jahren Hunderte Kälber in Deutschland an dem Leiden erkrankt. "Die Ursache ist unklar", bestätigte auch der Veterinärmediziner Klaus Doll von der Universität Gießen dem Magazin. "Es kann an einem Virus, einem Bakterium oder einer Vergiftung liegen." Für den Menschen sei die Krankheit jedoch vermutlich nicht gefährlich.

"Seit Anfang 2008 häufen sich Berichte von Kälbern, die unter den Symptomen des Blutschwitzens verenden", schreibt der Tiergesundheitsdienst. Laut Kappe hat der Dienst seit 2007 rund 50 Fälle aus Bayern untersucht. Es sei nicht klar, ob es tatsächlich fortwährend mehr erkrankte Tiere oder nur mehr Meldungen dieses Krankheitsbildes gibt.

Auch weltweit rätseln Ärzte über die Krankheit: Im Internet-Fachforum Promed-mail schreibt der britische Tierarzt Richard Brown, die Symptome seien einer Farn-Vergiftung ähnlich, die er vor 20 Jahren im mittelamerikanischen Belize beobachtet habe. Das Gift im Farn greife das Knochenmark an. Der australische Tierarzt Jim Taylor berichtet ebenfalls von Farn-Vergiftung mit ähnlichen Symptomen auf seinem Kontinent. Auch das Antibiotikum Furazilidon habe bei australischen Kälbern sogenanntes Blutschwitzen hervorgerufen. Das Mittel ist in der EU für Nutztiere verboten.

Tiergesundheitsdienst Bayern im Internet: www.tgd-bayern.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »