Ärzte Zeitung online, 13.02.2009

West-Nil-Fieber in Österreich

WIEN (dpa/nös). Das durch Mücken übertragene West-Nil-Virus, an dem auch Menschen erkranken können, haben Tiermediziner nun in Österreich festgestellt (wir kurz berichtete). Es ist im vergangenen Jahr in der Alpenrepublik erstmals bei Vögeln nachgewiesen worden, wie am Freitag am Rande einer Konferenz zur Überwachung neu auftretender Krankheiten (IMED) bekannt wurde.

Möglicherweise handele es sich bei dem von Ungarn aus importierten Virus allerdings um eine für den Menschen weniger gefährliche Variante als jene, die in den USA in den vergangenen Jahren Tausende Infektionen und etwa 1000 Todesopfer verursachte. Das sagte der Wiener Veterinär-Virologe Norbert Nowotny der Nachrichtenagentur APA. Betroffen waren 2008 ausschließlich Vögel - "zu 90 Prozent Habichte" - in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland.

In Deutschland seien bei einer Untersuchung 2007 in Vögeln Antikörper gegen das Virus entdeckt worden, sagte Virologe Prof. Matthias Niedrig vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin auf Anfrage. Das Virus selbst sei nicht gefunden worden. Laut RKI handelte es sich vor allem um Zugvögel aus Afrika, die sich dort infiziert hatten. "Der Nachweis bedeutet nicht, dass wir eine West-Nil-Fieber-Epidemie haben", betonte Niedrig. Ihm sei kein Erkrankter bekannt, der sich in Deutschland mit dem Virus infiziert habe. Bislang hätten allenfalls Reisende das Virus eingeschleppt, besonders aus den USA. Neue Hinweise auf das West-Nil-Virus seien nicht zwingend eine Folge des Klimawandels, sondern auch eine Frage von Untersuchungen. "Man schaut jetzt auch genauer", sagte Niedrig.

Nach Angaben der Wiener Veterinäre handelt es sich bei dem in Ungarn erstmals 2004 aufgetretenen Erreger um eine Variante des ursprünglichen West-Nil-Virus. "Das West-Nil-Virus hatte sich in Europa schon längst etabliert. Ab und zu gab es Ausbrüche. (...) In Österreich haben wir das West-Nil-Virus nie gehabt", sagte Nowotny. In Wien treffen sich noch bis zum 16. Februar Experten zu einem dreitägigen IMED-Kongress. Im Sommer vergangenen Jahres habe sich die Krankheit in Ungarn bei Vögeln und auch Pferden verbreitet.

Zudem seien etwa 20 Menschen in Ungarn erkrankt, erläuterte der Wissenschaftler. Allerdings scheine das Virus "nicht wahnsinnig krankheitserregend" für den Menschen zu sein. Es habe keine Todesfälle gegeben. Das Virus wird von Stechmücken übertragen. Ein bis zwei Prozent der Insekten überleben den Winter und können dann die Infektionen ab dem Frühjahr verbreiten.

Das West-Nil-Virus gehört zu den Flaviviren. Es ist der Auslöser der gleichnamigen Fiebererkrankung. Es tritt vor allem in Nordafrika, mittlerweile aber auch in Europa und Nordamerika auf. Die Infektion verläuft meist mild und äußert sich durch Fieber sowie Muskel- und Kopfschmerzen. In einigen Fällen entwickelt sich eine Enzephalitis, die tödlich verlaufen kann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »