Ärzte Zeitung online, 10.03.2009

Vitamin B3 erhöht Anzahl der Fresszellen - Schutz vor Infektionen

HANNOVER (eb). Fresszellen im Blut bekämpfen Bakterien und somit teilweise sogar lebensgefährliche Infektionen. Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nun herausgefunden, dass auch die Therapie mit Vitamin B3 die Anzahl der Fresszellen im Blut steigert.

Neutrophile Granulozyten (hier weiß) werden durch Vitamin B3 vermehrt ausgeschüttet.

Neutrophile Granulozyten (hier weiß) werden durch Vitamin B3 vermehrt ausgeschüttet.

Foto: Sebastian Kaulitzki©www.fotolia.de

Manche Menschen haben zu wenige oder gar keine der auch als Fresszellen bezeichneten neutrophilen Granulozyten - etwa Patienten mit angeborener Neutropenie oder bei manchen Krebspatienten, die eine Chemotherapie durchlaufen. Betroffene müssen sich den Wachstumsfaktor G-CSF täglich unter die Haut spritzen, der dafür sorgt, dass sich genügend Stammzellen zu Fresszellen entwickeln.

Das Forschungsteam von Dr. Julia Skokowa und Professor Karl Welte der MHH-Abteilung Molekulare Hämatopoese haben nun herausgefunden, dass auch die Therapie mit Vitamin B3 die Anzahl der Fresszellen im Blut steigern und möglicherweise sogar den Wachstumsfaktor ersetzen kann (Nature Medicine 15, 2009, 139).

"Wir haben zum ersten Mal die Verbindung zwischen einem Wachstumsfaktor und Molekülen festgestellt, die für den Stoffwechsel in die Zelle verantwortlich sind", sagt Dr. Skokowa. Der von ihrer Gruppe erforschte Stoffwechselweg ist ein sich selbst stimulierender Kreislauf, bei dem die Zelle den Wachstumsfaktor G-CSF selbst produziert. Vitamin B3 (Nicotinsäureamid) bringt den Kreislauf ins Rollen. Es ist die Vorstufe eines weiteren sehr wichtigen Moleküls, des sogenannten Nicotinsäureamid-Adenin-Dinukleotid (NAD).

Dieses NAD aktiviert ein Enzym, genannt Sirtuin-1. Es ist bereits dafür bekannt, dass es den Alterungsprozess von Zellen bremst. Sirtuin-1 aktiviert Faktoren, die sowohl die Produktion des Wachstumsfaktors G-CSF stimulieren als auch den dazu notwendigen Rezeptor (G-CSFR) an der Zellwand. Unter der Wirkung von Vitamin B3 entwickelt sich die Stammzelle also schnell und gut zum Granulozyten, wie Versuche im Labor bestätigten.

"Wir gehen davon aus, dass es auch im Körper des Menschen möglich ist, den Prozess der Reifung bis zu den Granulozyten mit der Gabe von Vitamin B3 zu steuern, ohne den Wachstumsfaktor G-CSF dazugeben zu müssen - denn den produziert die Zelle selbst", so Skokowa in einer Mittelung der MHH.

"Bei Gesunden konnten wir nach der Einnahme von Vitamin B3 in einer bestimmten Dosis am nächsten Tag vermehrt Granulozyten im Blut feststellen. Nachdem sie das Vitamin wieder abgesetzt hatten, normalisierte sich die Granulozytenzahl schnell." Skokowa ist davon überzeugt, dass das Ergebnis großes Potenzial für die Behandlung der Krankheiten hat, die durch die geringe Zahl von Granulozyten verursacht wird.

Abstract der Studie "Vitamin B3 boosts neutrophil counts"

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