Ärzte Zeitung online, 17.03.2009

Hamburger Forscherin womöglich mit Ebola infiziert

HAMBURG (dpa). Eine Forscherin des Hamburger Tropeninstituts hat sich möglicherweise mit dem lebensbedrohlichen Ebola-Virus infiziert. Das wäre nach 1967 das erste Mal, dass sich ein Mensch in Deutschland mit Ebola angesteckt hat.

Eigentlich sind Nadeln im Hochsicherheitslabor des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin strikt verboten. Nur wenn Tieren Krankheitserreger gespritzt werden, gibt es eine Ausnahme - wie etwa am vergangenen Donnerstag. Als eine Forscherin Proben des hochgefährlichen Ebola-Virus injizierte, rutschte ihre Nadel plötzlich ab und durchstach gleich drei Paar Sicherheitshandschuhe. Ob sich die Frau mit dem lebensbedrohlichen Erreger angesteckt hat, ist derzeit allerdings unklar. "Sie ist völlig beschwerdefrei", sagte der behandelnde Arzt Stefan Schmiedel vom Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf (UKE) am Dienstag.

Dennoch ist die Wissenschaftlerin unter Quarantäne, sie wird auf der Isolierstation des UKE behandelt. "Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist sehr gering, aber nicht völlig auszuschließen", sagte der stellvertretende Leiter des Bernhard-Nocht-Instituts, Egbert Tannich. Kein einziger der "sehr, sehr empfindlichen Tests" habe das Virus bisher im Blut der Patienten nachweisen können. Trotzdem könnten möglicherweise winzige Mengen des Ebola-Erregers im Körper der Patientin sein und sich dort vermehren.

Endgültige Gewissheit wird es erst in rund drei Wochen geben. Die Inkubationszeit - die Zeit, die zwischen einer Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome liegt - beträgt laut Schmiedel zwischen 3 und 21 Tagen, im Mittel bei 12 Tagen. Um die Gefahr einer Ansteckung zu verringern, hat die Patientin weltweit erstmals einen Impfstoff aus einem gentechnisch veränderten Virus bekommen. Er besteht aus dem abgeschwächten Erreger einer Tierkrankheit, der ein Oberflächenprotein des Ebola-Virus hat.

Bei Affen habe dieser Impfstoff sogar dann noch gewirkt, nachdem sie mit dem Erreger in Kontakt gekommen waren, sagte ein Sprecher des Bernhard-Nocht-Instituts. Ernsthafte Nebenwirkungen habe es bei den fast 100 bisher getesteten Tieren nicht gegeben. Trotz eines Risikos entschied sich das Institut daher nach Abstimmung mit einem internationalen Expertengremium für die Impfung. Das UKE spricht von einem "individuellen Heilversuch".

Wenige Stunden später sei es zu einer Impfreaktion gekommen, berichtete Schmiedel - die Frau habe kurzzeitig Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen gehabt. Weil bei einer Ebola-Erkrankung ähnliche Krankheitssymptome auftreten, wurde die Patientin auf die Isolierstation des UKE gebracht. Die Frau liegt in einer Art Plastikzelt, das durch Unterdruck hermetisch von der Umgebung abgeriegelt wird. "Es gibt sehr viele Plastikbarrieren", betonte der Ärztliche Direktor des UKE, Prof. Jörg F. Debatin. Nur mit gelben Schutzanzügen darf man sich der Patientin nähern. Ein Arzt und drei Pflegekräfte kümmern sich um die Frau.

Wie alt die Forscherin ist, wollte Debatin nicht sagen. Sie ist Tannich zufolge aber eine erfahrene Wissenschaftlerin. Es sei der erste Nadelstich-Unfall in einem Hochsicherheitslabor in Deutschland, berichtete Tannich. "Ich glaube aber nicht, dass wir an unseren Sicherheitsvorschriften etwas ändern müssen." Man könne nur an die Mitarbeiter appellieren, die Vorschriften noch sorgfältiger einzuhalten. Die Möglichkeit einer Ansteckung sei aber sehr gering, betonte der Institutssprecher: "Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass sie sich infiziert hat." Dennoch hätten Kollegen aus den USA bereits ein neuartiges Medikament nach Hamburg geschickt - für den Fall einer Infektion.

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