Ärzte Zeitung online, 05.05.2009

Krankenhauskeime: Höherer Druck schafft Probleme bei der Hygiene

ROSTOCK (dpa). Rund ein Drittel aller Infektionen im Krankenhaus sind nach Einschätzung des Rostocker Hygiene-Mediziners Andreas Podbielski bei besserer Hygiene vermeidbar.

"Pro Arbeitsschicht ist die Desinfektion der Hände zwischen 30 und 60 Mal notwendig", sagte der Leiter der Abteilung für Krankenhaushygiene an der Universitätsklinik Rostock, Andreas Podbielski, am Montag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa vor dem internationalen Tag gegen Krankenhauskeime am Dienstag.

Vor allem auf den Allgemeinstationen ohne Intensivmedizin gebe es häufig Probleme. Auf diesen Stationen sei der Personaldruck größer, die Mitarbeiter müssten eine große Zahl von Patienten versorgen. "Das ist kein böser Wille. Je mehr Personal eingespart wird, desto größer werden die Hygieneprobleme", sagte Podbielski. "In der Arbeitshetze neigt man zu Schludrigkeiten."

Jährlich erkranken in Deutschland rund eine halbe Million Patienten an Krankenhauskeimen. "Ein Drittel davon ist vermeidbar, zwei Drittel sind schicksalhaft", sagte Podbielski. Bis zu 15 000 der Fälle endeten tödlich. Dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass bei vielen dieser Patienten eine Grunderkrankung vorhanden ist, die durch die zusätzlichen Keime verschlimmert werden kann. Auch kämen nicht nur die Krankenhaus-Mitarbeiter als Infektionsquelle in Betracht. Besucher und die Patienten selbst könnten ebenfalls dafür verantwortlich sein.

Beim bloßen Händewaschen werde die Zahl der anhaftenden Bakterien nicht im notwendigen Maße verringert. "Die Keime werden dadurch nicht abgetötet, sie werden nur statistisch in der Umgebung verteilt." Zudem werde die Haut stark angegriffen und der Vorgang dauere viel zu lange. Bei der Desinfizierung werde die Haut dagegen nur gering belastet. "Alle Desinfektionsmittel sind rückfettend", sagte der Hygiene-Experte.

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