Ärzte Zeitung online, 16.06.2009

Klinken aus Kupfer killen Klinikkeime

37 Prozent weniger MRSA an metallenen Türklinken und Lichtschaltern / Offenbar seltener nosokomiale Infekte

HAMBURG (mut). Mit Türgriffen und Lichtschaltern aus Kupfer lässt sich offenbar die Verbreitung von Methicillin-resistenten Staphylokokken (MRSA) deutlich eindämmen. Bei einem Feldversuch in der Asklepios Klinik Wandsbek in Hamburg gelang es, die Konzentration der gefährlichen Keime um mehr als ein Drittel zu reduzieren.

Tödlicher Glanz - zumindest für Bakterien. Probenentnahme an einer Kupfertürklinke.

Foto: Asklepios Kliniken Hamburg GmbH

Wie die Klinik mitteilt, wurden bei der Untersuchung 16 Wochen lang zwei Krankenhausstationen mit Türgriffen, Türplatten und Lichtschaltern aus speziellen Kupferlegierungen ausgestattet. Die benachbarten Bereiche behielten ihre herkömmlichen Griffe und Schalter aus Aluminium, Edelstahl oder Plastik. Wissenschaftler der Universität Halle-Wittenberg haben regelmäßig Proben genommen und die Anzahl der Keime auf den verschiedenen Kontaktflächen verglichen.

Das Ergebnis: Besonders bei den Türklinken zeigte sich ein deutlicher bakterizider Effekt. So ließ sich unter Alltagsbedingungen nachweisen, dass die Konzentration der MRSA dort um 37 Prozent geringer war. Auch die Neubesiedlung der Kupfer-Türgriffe und Kupfer-Schalter durch Keime wurde erheblich vermindert. Davon profitierten offenbar auch die Patienten: Auf den mit Kupferklinken ausgestatteten Stationen gab es einen Trend zu niedrigeren nosokomialen Infektionsraten. Dieser Effekt muss nun allerdings in größeren Studien noch genauer untersucht werden.

Professor Jörg Braun mit einer Kupfertürklinke in der Asklepios Klinik Wandsbek.

Foto: Asklepios Kliniken Hamburg GmbH

"Die Ergebnisse machen Hoffnung, Kontaktflächen wie Griffe und Schalter aus Kupfer können eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Hygienemaßnahmen wie der Händedesinfektion sein", so Professor Jörg Braun, Chefarzt an der Asklepios Klinik Wandsbek.

In Laborversuchen konnten Oberflächen aus Kupfer innerhalb weniger Minuten bis zu 99 Prozent der Keime abtöten. In der Praxis wird diese Erfolgsrate jedoch nicht erreicht. Experten vermuten, der Schweißfilm des Menschen, der sich wie eine Schicht um die Türgriffe legt, mindert die bakterizide Wirkung von Kupfer.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Vielversprechende Fortschritte in der Diagnostik

Morbus Alzheimer lässt sich immer zuverlässiger diagnostizieren und von anderen Krankheiten abgrenzen. Seit Kurzem gewährt die Tau-PET präzisere Einblicke in den Krankheitsverlauf – und verbessert damit die Diagnostik. mehr »

"Wir verstehen den Unmut der Ärzte"

Verärgerung bei Ärzten und KVen: Die Deutsche Telekom kündigt Praxen die Routerverträge - zum 21. Oktober! Doch wie bekommen Ärzte dann ihren sicheren Zugang zum KV-Safenet? mehr »

Die Selbstvermessung des eigenen Ichs

Der Markt an Gesundheits-Apps wächst und wächst - derzeit gibt es 379.000 Anwendungen fürs Smartphone oder Tablet. Die Selbstvermessung kennt keine Grenzen. Was sind die Folgen des Optimierungswahns? mehr »