Ärzte Zeitung online, 19.01.2010

Auch Gorillas können menschlichen Malaria-Erreger haben

MONTPELLIER/WASHINGTON (dpa). Der Erreger der gefährlichsten Malariavariante beim Menschen, Malaria tropica, ist überraschend auch bei Gorillas nachgewiesen worden. Forscher aus Frankreich und den USA fanden zudem zwei bislang unbekannte Formen der Malariaparasiten bei den Tieren aus Afrika.

zur Großdarstellung klicken

Auch Gorillas können menschlichen Malaria-Erreger haben. © Michael Schindler/fotolia.com

Unklar sei noch, ob sich die Gorillas bei Menschen oder anderen Primaten angesteckt hätten und wie stark die Tiere erkrankt seien, schreiben die Wissenschaftler in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS", online vorab). Dennoch müsse künftig bei der Bekämpfung der von Mücken übertragenen Infektion daran gedacht werden, dass auch Menschenaffen die Erreger in sich tragen können.

Die Malaria tropica wird durch den Parasiten Plasmodium falciparum ausgelöst. Weltweit erkranken nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 500 Millionen Menschen jährlich, mehr als 2 Millionen Menschen, meist Kinder, sterben daran. Die Wissenschaftler um Franck Prugnolle vom Labor für die Genetik und Evolution der Infektionskrankheiten am französischen Forschungszentrum CNRS in Montpellier untersuchten mittels Genanalysen Fäkalien und Blut von wilden und in Gefangenschaft lebenden Tieren. Darunter waren Stuhlproben von 125 Schimpansen und 84 Gorillas aus Kamerun sowie Blutproben von 3 Gorillas aus Gabun.

In Exkrementen von zwei Gorillas aus Kamerun wiesen die Forscher "überraschenderweise" Plasmodium falciparum nach, ebenso im Blut eines Tieres aus Gabun. Darüber hinaus stießen die Wissenschaftler auf zwei neue Formen der Parasiten bei Gorillas und nannten sie Plasmodium GorA und GorB. Diese sind mit der menschlichen Variante sowie mit den bei Schimpansen vorkommenden Formen Plasmodium reichenowi und gaboni verwandt.

Bei 22 von 125 Schimpansen sowie 18 von 84 Gorillas wiesen die Forscher unterschiedliche Plasmodien nach und werteten dies als hohen Verbreitungsgrad der Malaria bei den Tieren. Da Kontakte zwischen Menschen und Primaten unter anderem durch Waldrodung häufiger würden, beständen mehr Möglichkeiten der Krankheitsübertragung von Tieren auf Menschen und andersherum, schreiben die Wissenschaftler weiter.

Im vergangenen Jahr waren US-Wissenschaftler zu der Vermutung gekommen, dass die Malaria tropica vor tausenden von Jahren von Schimpansen auf den Menschen übergesprungen sein müsse ("PNAS", Bd. 106, S. 14902). Sie hatten das Erbgut des Parasiten Plasmodium falciparum mit dem des bei Schimpansen vorkommenden Erregers Plasmodium reichenowi verglichen.

Zum Abstract des Originalartikels auf PNAS online

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »