Ärzte Zeitung online, 29.01.2010

An Lepra erkranken weiterhin 250 000 Menschen jedes Jahr

NEU-ISENBURG (eb). Lepra als älteste bekannte Infektionskrankheit der Welt ist kaum erforscht, kritisiert die Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) zum Welt-Lepratag am 31. Januar. So sind Übertragungswege und Inkubationszeit immer noch weitgehend unbekannt. Die DAHW setzt sich daher für mehr Forschung sowie Früherkennung und frühe Therapie ein.

An Lepra erkranken weiterhin 250 000 Menschen jedes Jahr

Zerstören Leprabakterien Nerven, entstehen aus kleinsten Verletzungen chronische Entzündungen. Der Verlust von Fingern oder Zehen ist oft die Folge. © Thomas Einberger / DAHW

Durch die moderne medikamentöse Behandlung von Lepra-Patienten wurde in den letzten 20 Jahren viel erreicht, berichtet Dr. Pieter de Koning von der DAHW (Epi Bull 3, 2010, 19). Mehr als 14 Millionen Menschen seien mit der erfolgreichen und größtenteils resistenzsicheren Kombinationstherapie von Dapson, Clofazimin und Rifampicin behandelt worden. In fast allen Ländern hätten sich dadurch relativ niedrige Erkrankungsraten erreichen lassen. Pro Jahr gebe es weltweit aber weiterhin ungefähr 250 000 Neuerkrankungen.

Trotz der Erfolge solle man sich von der einstigen Erwartungshaltung verabschieden, die Übertragung vollständig unterbrechen und nur dadurch die Krankheit ausrotten zu können, so de Koning.

Nach neuesten Forschungsergebnissen liege in sieben menschlichen Genen die Ursache dafür, dass die meisten Menschen genetisch immun gegen Lepra sind. Dass etwa 90 Prozent aller Menschen weltweit nicht an Lepra erkranken können, ist schon lange bekannt - die Hintergründe waren bis jetzt aber unklar.

"Wir müssen jetzt alles daran setzen, diese Ergebnisse in ihren praktischen Auswirkungen zu verstehen", so Dr. Adolf Diefenhardt. Der leitende medizinische Berater der DAHW sieht eine einmalige Chance darin: "Das wird auch helfen, die bereits von der DAHW geförderte Impfstoffentwicklung zu verbessern, denn nur eine wirksame Immunisierung bietet den Risikogruppen Schutz."

Der Weg dorthin sei schwierig: Die Erforschung von Lepra werde bisher fast ausschließlich von den Leprahilfswerken selbst finanziert. "Was wir jetzt dringend benötigen, ist Interesse von Forschungsinstituten und Universitäten sowie öffentliche Gelder für die notwendige angewandte Forschung", fordert Diefenhardt: "Die Ergebnisse zeigen, dass man nicht aufgeben sollte, eine Krankheit endgültig besiegen zu wollen, an der jedes Jahr mehrere Hunderttausend Menschen neu erkranken und an deren Folgen rund vier Millionen Menschen leiden."

Noch immer hätten zehn Prozent der neuen Leprapatienten sichtbare Behinderungen, wenn sie mit der Behandlung beginnen. Ein Grund dafür ist das soziale Stigma der Krankheit: Die Furcht vor Ausgrenzung ist oft stärker als der Wunsch nach Diagnose und Therapie. Die DAHW setzt sich mit ihren Projekten deshalb für das weltweit von der WHO gesetzte Ziel ein, bis 2015 die Zahl der neuen Leprakranken, die bereits sichtbare Behinderungen haben, um 35 Prozent zu reduzieren.

Weltweit wurden 249 007 neue Lepra-Patienten im Jahr 2008 offiziell registriert, gut 9 000 weniger als 2007. Die DAHW schätzt, dass ungefähr genauso viele Patienten nicht in den offiziellen Statistiken erfasst werden. Die meisten Betroffenen leben in Indien und Brasilien.

www.dahw.de

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