Ärzte Zeitung online, 19.03.2010

Neue Leitlinien für die Behandlung von Sepsis

JENA (eb). Ein Komitee von 30 deutschen Medizinern aktualisierte die erstmals 2005 erstellte Leitlinie zur Behandlung von Sepsis. Diese Neufassung der Empfehlungen für Ärzte berücksichtigt aktuelle Ergebnisse großer Studien und geht ausführlicher auf Prävention und Nachsorge ein.

"Leitlinien sind keine juristisch verbindlichen Richtlinien oder Universalrezepte, sie sind Handlungs- und Behandlungsempfehlungen auf dem Stand des aktuellen Wissens, letztlich aber muss der Arzt immer anhand der individuellen Situation des Patienten entscheiden", sagt Professor Frank M. Brunkhorst, Leiter der Paul-Martini-Gruppe für klinische Sepsisforschung der Jenaer Uniklinik. Zentrales Forschungsthema der Gruppe ist die Planung, Organisation und Auswertung klinischer Studien zur Sepsis. "Wir wissen wenig über die Sepsis, und was wir wissen, wenden wir längst nicht immer an", so Brunkhorst. Im Rahmen des Kompetenznetzes Sepsis testete er gemeinsam mit Kollegen in großen klinischen Studien die Wirksamkeit von Therapiemaßnahmen. Dabei konnte er etwa zeigen, dass zwei lange gebräuchliche Maßnahmen - Infusionen mit Hydroxyethylstärke-Lösung und Insulininjektionen in besonders hoher Dosierung - den Sepsispatienten keinen Überlebensvorteil bringen, aber die Rate von Komplikationen steigern.

Diese Ergebnisse finden sich in der aktualisierten Leitlinie wieder. Wie soll ein Patient gelagert werden, wenn er künstlich beatmet werden muss, welches Nierenersatzverfahren sollte bei akutem Nierenversagen angewandt werden, wie sollten Patienten mit schwerem septischen Schock ernährt werden - bei diesen Entscheidungen hilft sie dem Arzt. Die Grundlage dafür bilden kontrollierte klinische Studien und das Wissen von Experten.

Die Leitlinie mit dem Titel "Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Sepsis" finden Sie auf der Homepage der Sepsis Gesellschaft

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