Ärzte Zeitung, 26.10.2010

Hasenpest ist selten - doch es gibt sie noch

Die Hasenpest (Tularämie) ist in Deutschland extrem selten geworden. Bei plötzlich hohem Fieber und Lymphknotenschwellungen wird daher kaum daran gedacht.

Von Thomas Meißner

Hasenpest ist selten - doch es gibt sie noch

Abgeheilte Narbe nach Lymphknoten-Extirpation.

© Capka / springer.com

CHEMNITZ. Eine solche Erfahrung musste auch ein 23-jähriger Bundeswehrsoldaten machen, der plötzlich starke Halsschmerzen und 40° C Fieber hatte. Die Halslymphknoten, vor allem rechts, wurden immer größer, er litt unter Nachtschweiß. Zuerst war er wegen des Verdachts auf eine Tonsillitis behandelt worden, dann hieß die wahrscheinliche Diagnose Non-Hodgkin-Lymphom, berichten Dr. Emanuela Capka vom Klinikum Chemnitz und ihre Kollegen (Internist 2010, 51: 784). Zuletzt maß die Lymphknotenschwellung an der rechten Halsseite 7 x 8 cm und links immerhin 2 x 2 cm. Die Labor-Entzündungsparameter waren deutlich erhöht, es bestand eine Leukozytose.

Bei der Lymphknoten-Extirpation hatte sich aus einer Abszesshöhle schwallartig Eiter entleert, womit auch der Lymphom-Verdacht ad acta gelegt werden konnte. Die Kulturen des intraoperativ genommenen Abstrichs blieben ebenso steril wie die Blutkulturen. Wegweisend war schließlich der histologische Befund des entnommenen Lymphknotens.

Es bestand eine ausgeprägte retikulohistiozytäre Lymphadenitis und Perilymphadenitis. Damit seien nur wenige Krankheiten assoziiert, so Capka, darunter die Tularämie. Die serologische Untersuchung brachte im Falle des jungen Bundeswehrsoldaten die endgültige Diagnose. Zudem wurde im Wundabstrich Francisella-tularensis-spezifische DNA nachgewiesen.

Unter zweimal 500 mg Ciprofloxacin täglich klangen die Symptome allmählich ab, nach drei Wochen war die Operationswunde verheilt und der Patient beschwerdefrei. Francisella tularensis ist einer der am meisten infektiösen Erreger weltweit. 25 Bakterien in einem Aerosol reichen aus, um eine Infektionskrankheit auszulösen.

Die Infektion erfolgt meist durch den Biss infizierter Nager, Kaninchen oder über einen Insektenstich sowie bei Kontakt mit infektiösem Tiermaterial. Auch die Inhalation kontaminierten Staubs oder Hasenkots ist möglich. Der Soldat hatte sich wohl während einer Feldübung auf diesem Wege infiziert. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind unbekannt.

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