Ärzte Zeitung online, 09.09.2010

Antibiotika aus Kakerlaken-Hirnen - Forscher gehen neue Wege gegen garstige Keime

NOTTINGHAM (mut). Ausgerechnet Kakerlaken sollen die Menschheit mit neue Antibiotika versorgen: Da die Tierchen schon seit Jahrmillionen im Dreck leben, haben sie gute Abwehrmechanismen entwickelt. So fanden britische Forscher jetzt potente antibiotische Substanzen in den Insektenhirnen.

Antibiotika aus Kakerlaken-Hirnen - Forscher gehen neue Wegen gegen garstige Keime

Kakerlaken: Nicht nur eklig sondern nützlich behaupten britische Forscher.

© carl_r_2004 / fotolia.com

Zugegeben - einen besonders guten Ruf haben Kakerlaken nicht: Die Begegnung zwischen Mensch und Insekt führt meist zu hektischen Jagdszenen, mit dem Ziel, die schnell krabbelnden Tierchen mit Fußtritten zu zerquetschen oder mit Pestiziden einzunebeln, noch bevor sie in der nächsten Ritze verschwunden sind. Meist ohne Erfolg, wie jeder weiß.

Grund für solche Mordgelüste: Kakerlaken werden als Kennzeichen schlechter Hygiene oder gar als Überträger garstiger Krankheiten betrachtet. Letzteres ist zumindest nicht der Fall, ganz im Gegenteil, behaupten britische Forscher: Kakerlaken könnten Menschen sogar im Kampf gegen Keime helfen.

Ein Extrakt aus Kakerlaken-Hirnen und Nervengewebe kann über 90 Prozent der gefährlichen multiresistenten Staphylococcus-aureus-Bakterien (MRSA) abtöten, ohne dabei menschlichen Zellen zu schaden. Das hat ein Team um Dr. Simon Lee von der Universität Nottingham auf einer Mikrobiologen-Tagung an der Uni berichtet.

Die Forscher fanden bislang bereits neun verschiedene bakterizide Substanzen in den Insektenhirnen, und hoffen, dass sich daraus potente Antibiotika gegen immer häufiger auftretende multiresistente Keime entwickeln lassen. Ein Grund, weshalb gerade Kakerlaken bei der Abwehr von Keimen so erfinderisch sind: "Sie leben eben in einer sehr unhygienischen Umgebung, in der es von unterschiedlichen Bakterienarten nur so wimmelt. Logisch, dass sie sich da was einfallen lassen müssen, um sich zu schützen", so Lee.

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