Ärzte Zeitung, 07.04.2011

Ausbreitung des Milben-Fleckfiebers befürchtet

Erdrutsche infolge des Erdbebens vom 11. März könnten Schlamm mit der Tsutsugamushi-Milbe in Gebiete gebracht haben, in denen es zuvor nie einen Ausbruch des Milben-Fleckfiebers gegeben hat. Die Mortalitätsraten werden mit bis zu 30 Prozent angegeben.

Ausbreitung des Milben-Fleckfiebers befürchtet

Orientia tsutsugamushi unter dem Elektronenmikroskop: In Japan wird eine Ausbreitung des Erregers befürchtet.

© Dr. Ed Ewing / CDC

BERLIN (ner/dpa). Überträger des vor allem in Asien verbreiteten Milben-Fleckfiebers (Tsutsugamushi-Fieber) sind Milben, die auf niedrig wachsenden Pflanzen leben.

Eine japanische Nachrichtenagentur berichtet, dass durch Erdrutsche infolge des Erdbebens vom 11. März Schlammmassen mit der Tsutsugamushi-Milbe in Gebiete gelangt sein könnten, in denen es zuvor nie einen Ausbruch der Krankheit gegeben hatte (wir berichteten). Im Frühling und Herbst tritt die Krankheit am häufigsten auf.

Der Verlauf der Infektionskrankheit kann schwer sein mit Enzephalitis, Lymphadenitis und nekrotisierenden Primärläsionen.

Besonders unter den derzeit problematischen hygienischen Bedingungen in den japanischen Katastrophengebieten und allmählich steigenden Temperaturen im Frühjahr könnten sich die Milben schnell ausbreiten.

Durch den Milbenbiss werden Rickettsien (Orientia tsutsugamushi, früher: Rickettsia tsutsugamushi) übertragen. Diese Bakterien leben obligat intrazellulär, wo sie sich vermehren können.

"Rickettsien sind Opportunisten, sie nutzen schlechte Lebensbedingungen von Menschen aus", so Privatdozent Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin in Berlin zur "Ärzte Zeitung". "Sie befallen vor allen Dingen das Endothel von Kapillaren."

Das Tsutsugamushi-Fieber beginnt unspezifisch mit Schüttelfrost, hohem Fieber und starken Kopfschmerzen. An der Bissstelle bildet sich ein Knoten. Hinzu kommen Myalgien, Photophobie, Husten und ein makulopapulöses Exanthem.

Die Diagnose kann per Antikörpernachweis im Blut gesichert werden. Wird sie spät gestellt, drohen gegebenenfalls schwere Komplikationen, weil Organe wie Herz, Lunge und Gehirn involviert werden.

Die Weltgesundheitsorganisation gibt die Mortalitätsrate mit null bis 30 Prozent an. "Das hängt vom Zeitpunkt der Therapie ab", so Jelinek. Die Behandlungsmöglichkeiten seien prinzipiell gut, etwa mit Doxycyclin oder mit Makroliden.

Der Tropenmediziner geht deshalb davon aus, dass in Japan nicht mit gehäuft schweren Verläufen gerechnet werden muss, zumal dann, wenn bereits von einem vermehrten Auftreten der Infektionskrankheit ausgegangen wird.

Unter Umständen wäre auch eine Antibiotika-Prophylaxe bei verstärkter Ausbreitung denkbar. Gegen den Milbenbefall werden die Menschen kaum etwas tun können, so Jelinek, solange sie in Massenunterkünften und unter hygienisch schwierigen Bedingungen leben müssten.

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