Ärzte Zeitung online, 04.05.2011

Chirurgen-Kongress widmet sich Klinik-Keimen

Patienten sollen im Krankenhaus gesund werden. Doch multiresistente Keime machen Ärzten zunehmend zu schaffen. Beim Chirurgenkongress in München steht das Thema deswegen ganz oben auf der Tagesordnung.

MÜNCHEN (dpa). Ein alltäglicher chirurgischer Eingriff kann für den Patienten zur tödlichen Gefahr werden. "Multiresistente Bakterien sind überaus gefährlich für den Menschen und leider nicht wirklich behandelbar", sagt Professor Markus Büchler, ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Transplantationschirurgie der Universität Heidelberg am Dienstag zum Auftakt des Chirurgenkongresses in München.

"Viele Menschen - ob Besucher oder Patient - schleppen die Bakterien ohne es zu wissen ins Krankenhaus. Zu Hause wären die Keime harmlos, aber für Patienten mit geschwächtem Immunsystem können die Folgen fatal sein".

Büchler verweist auch auf Gefahren im OP. "Je mehr Menschen in einem Raum, desto mehr Keime befinden sich in der Luft. Stellen Sie sich nun vor, welche Folgen das haben kann, wenn sie zum Beispiel eine Hüftprothese einbauen, die Wunde offen klafft und all die Keime hineinfliegen".

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums stecken sich in Deutschland im Jahr bis zu 600.000 Menschen mit multiresistenten Keimen - in 15.000 Fällen hat das tödliche Folgen.

Ursachen für die Krankenhausinfektionen können Keime in der Luft und an Händen sein, in seltenen Fällen auch unsteriles Operationsbesteck. Experten betonen daher die Prävention - auch schlicht durch Hygiene.

"Ganz entscheidend ist das Händewaschen und Desinfizieren, man kann das den Ärzten, Pflegern aber auch Besuchern gar nicht oft genug sagen".

Ein weitere Plan ist ein Screening auf Keime, das in den Niederlanden schon erprobt ist. Dabei wird der Patient vor seiner Aufnahme auf multiresistente Erreger untersucht und gegebenenfalls isoliert untergebracht.

"Ein weiteres Problem ist, dass Antibiotika viel zu häufig eingesetzt werden. So entstehen die Resistenzen". Neue Antibiotika werde es in nächster Zeit nicht geben, weil das Geld zur Entwicklung fehle.

Im Sommer soll ein neues Klinikhygienegesetz verabschiedet werden. Die Bundesregierung hatte einem Gesetzentwurf des Gesundheitsministers Philipp Rösler (FDP) zugestimmt. Kliniken sollen demnach künftig ihre Hygienestandards öffentlich machen. Sie sollen zudem zusätzlich Experten beschäftigen, die sich um die Hygiene der Häuser kümmern.

www.chirurgie2011.de

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