Ärzte Zeitung online, 27.07.2011

Malaria: Impfstoff aus der Schweiz hilft bei Kindern

BASEL (eb). Ein Malaria-Impfstoff, vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) in Basel entwickelt, hat sich bei der Bekämpfung der Malaria bei Kindern als wirksam und gut verträglich erwiesen. In einem in Tansania durchgeführten Test schützte der neue Impfstoff die Hälfte der Kinder vor klinisch relevanten Malaria-Attacken.

Neuer Impfstoff verhindert bei Kindern jede zweite Malaria-Erkrankung

Malarialabor des Ifakara Health Instituts in Tansania.

© Swiss TPH

Die Forschungsergebnisse des mit der Universität Basel assoziierten Instituts sind in der aktuellen Ausgabe des US-Fachmagazins PLoS ONE (online 22. Juli) publiziert.

Der getestete Impfstoff bestehe aus zwei synthetischen Peptid-Komponenten, bezeichnet als AMA-1 und CSP-1, welche die native Struktur von wichtigen Antigenen widerspiegeln, die während der entscheidenden Phasen des Lebenszyklus vom Erreger der tropischen Malaria (Plasmodium falciparum) gebildet werden, teilt die Uni Basel zur Studie mit.

Virosomen, also Liposomen mit eingebauten Virusproteinen auf der Basis von Influenzaviren dienten als Antigenträger und Wirkverstärker. Diese Technologie sei bereits bei Impfstoffen gegen Hepatitis A und Grippe in mehr als 40 Ländern zugelassen, heißt es in der universitären Mitteilung.

Die Phase-Ib-Studie wurde am "Bagamoyo Research & Training Centre" in Tansania unter der Leitung von Professor Blaise Genton und Professor Marcel Tanner (Swiss TPH) sowie von Dr. Salim Abdulla (Direktor des Ifakara Health Instituts) durchgeführt.

Der von Professor Gerd Pluschke (Swiss TPH) und Professor John Robinson (Universität Zürich) in Zusammenarbeit mit der Firma Pevion Biotech AG entwickelte Impfstoff wurde innerhalb von zwölf Monaten an 50 gesunden, semi-immunen Freiwilligen (40 Kindern, 10 Erwachsenen) in einem Malaria-Endemiegebiet getestet.

Jeder Proband erhielt zwei Injektionen, die sowohl von den Erwachsenen als auch von den fünf- bis neunjährigen Kindern gut aufgenommen und vertragen wurden.

Der Impfstoff löste bei den meisten Probanden starke Antikörperantworten gegen die beiden Antigene (AMA-1 und CSP-1) aus. Zudem verhinderte der Impfstoff klinische Malaria-Fälle bei Kindern: Bei jenen Probanden, die mit dem neuen Impfstoff behandelt worden waren, traten nur halb so viele Malaria-Erkrankungen auf wie bei denen, die einen Grippeimpfstoff erhalten hatte.

Die Ergebnisse seien vielversprechend, heißt es in der universitären Mitteilung. Abgesehen vom Wirkstoff RTS,S, einem weiteren Impfstoffkandidaten, der gegenwärtig in einer Phase-III-Studie an mehreren Zentren in Afrika getestet wird, sei der neue Impfstoff der einzige, der eine so hohe Wirksamkeit beim Schutz der Bevölkerung gegen Malaria gezeigt habe.

Ein 50-prozentiger Schutz gegen Malaria-Episoden bedeutet, dass die Gesamtanzahl an Erkrankungen um die Hälfte reduziert werden könnte, sollten diese Ergebnisse im Rahmen einer weiteren, größeren Studie mit mehr Probanden bestätigt werden.

Dass die Wirksamkeit eines Malaria-Impfstoffs der ersten Generation rasch durch die Kombination von verschiedenen Antigenen oder Techniken verbessert werden kann, berechtige zu weiterer Hoffnung, teilt die Uni Basel mit.

Nach der erfolgreichen Phase-Ib-Studie bereiteten nun die am Projekt beteiligten Forschenden und die Firma Mymetics Corporation - sie übernahm 2007 das Malaria-Programm von Pevion Biotech AG und hat zur Finanzierung dieser Phase-1b-Studie beigetragen - die nächste Phase der Entwicklung des Mehrkomponenten-Impfstoffs mit weiteren Malaria-Antigenen vor, die der vorliegenden Formulierung hinzugefügt werden sollen.

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