Ärzte Zeitung online, 03.10.2011

Medizin-Nobelpreis für einen Toten - es bleibt dabei

STOCKHOLM (dpa). Erst die freudige Nachricht, dann der Schock: Wenige Stunden, nachdem sie Ralph Steinman aus Kanada als Nobelpreisträger benannt hatte, erfuhr die Nobel-Jury: Der Forscher ist tot. Doch die Jury bleibt bei ihrer Entscheidung.

Medizin-Nobelpreis für einen Toten - wie geht es weiter?

Ralph Steinman

© dpa

Der Immunforscher Ralph Steinman, der den diesjährigen Medizin-Nobelpreis erhalten sollte, ist tot. Er sei bereits am vergangenen Freitag gestorben, teilte eine Sprecherin des Karolinska-Instituts in Stockholm am Montag der Nachrichtenagentur dpa mit.

Laut Rockefeller-Universität in New York starb Steinman bereits am vergangenen Freitag im Alter von 68 Jahren an Krebs.

Steinman sollte zusammen mit dem Franzosen Jules A. Hoffmann und dem US-Amerikaner Bruce A. Beutler für Arbeiten zum Immunsystem im Dezember den Nobelpreis für Medizin erhalten. Der Nobelpreis kann nach den gültigen Statuten aber nicht posthum zuerkannt werden.

Die schwedischen Nobel-Juroren prüften deshalb eine mögliche Änderung bei der Vergabe des diesjährigen Medizin-Nobelpreises.

Am Abend des 3. Oktober gab die Nobel-Jury bekannt: Steinman wird posthum geehrt, es bleibt bei der Entscheidung über die Vergabe des Medizin-Nobelpreises.

Die Begründung der Nobelstiftung

In der Erklärung der Stiftung hieß es, das Verbot der posthumen Auszeichnung beziehe sich nur auf eine bewusst in diesem Sinne getroffene Wahl. Die Juroren hätten die Entscheidung am Freitag um 14.30 Uhr getroffen, ohne von Steinmans Tod um 11.30 etwas zu wissen.

Die Rockefeller-Universität in New York teilte den Tod am Montag auf ihrer Internetseite mit, kurz darauf verkündete das auch Nobelstiftung.

Die Angehörigen des in Kanada geborenen Wissenschaftlers erhalten im Dezember umgerechnet rund 550 000 Euro, die Hälfte der Gesamtdotierung für den Medizin-Nobelpreis. Die andere Hälfte teilen sich Hoffmann und Butler, die am gleichen Thema geforscht hatten.

Steinman war an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt

Steinman erhielt nach Auskunft seiner Universität vor vier Jahren die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er habe mit einer selbst entwickelten Immuntherapie auf Basis der von ihm entdeckten dendritischen Zellen sein Leben noch verlängern können.

Reaktionen auf die Vergabe des Nobelpreises

Universitätspräsident Marc Tessier-Lavigne sagte zur Nobelpreis-Entscheidung: "Die Nachricht ist bittersüß, da wir diesen Morgen von Ralphs Familie erfahren haben, dass er vor wenigen Tagen nach einem langen Kampf gegen den Krebs gestorben ist. Unsere Gedanken sind bei Ralphs Ehefrau, Kindern und Familie."

Seine Tochter Alexis Steinman sagte: "Wir sind alle so berührt, dass die vieljährige harte Arbeit meines Vaters für den Nobelpreis ausgewählt wurde."

Ralph Steinman, der 1943 in Montréal geboren wurde, hatte bereits 1973 die sogenannten dendritischen Zellen entdeckt. Sie präsentieren den T-Immunzellen Bruchstücke der Eindringlinge, so dass sie die Keime erkennen und spezifisch bekämpfen können.

Die drei nominierten Medizin-Nobelpreisträger hatten Schlüsselprinzipien des Immunsystems aufgeklärt und damit die Grundlagen für Therapien gegen Aids und Krebs gelegt. Der US-Amerikaner Beutler und der Franzose Hoffmann werden für Arbeiten zur Alarmierung des angeborenen Abwehrsystems geehrt, wie das Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte.

Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet insgesamt 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Lesen Sie dazu auch:
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Chronik des Medizin-Nobelpreises

[03.10.2011, 20:34:42]
Dr. Maik Herberhold 
weise Entscheidung! (kwT)

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