Donnerstag, 18. September 2014
Ärzte Zeitung online, 12.10.2011

Gefährden Vitamine, Eisen und Co. das Leben älterer Damen?

Ein besonders langes Leben bei bester Gesundheit versprechen sich Menschen, die Nahrungsergänzungsmittel nehmen - ein Trugschluss. Eine Studie mit älteren Damen hat ergeben: Eisen, Magnesium, Zink und Multivitaminpräparate bringen sie offenbar dem Tod ein Stück näher.

Von Elke Oberhofer

Gefährden Vitamine, Eisen und Co. das Leben älterer Damen?

Ältere Frauen mit schweren Erkrankungen sollten besser auf Nahrungsergänzungsmittel verzichten, denn eine Lebensgefährdung ist nicht ganz auszuschließen.

© Tonis Pan / fotolia.com

KUOPIO. An der Großstudie unter der Leitung des Finnen Jaakko Mursu von der Universität Ost-Finnland, waren 41.836 US-Amerikanerinnen im Alter von 55 bis 69 Jahren beteiligt.

In den Jahren 1986, 1997 und 2004 füllten insgesamt 38.722 Teilnehmerinnen Fragebögen zur Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen korrekt aus und wurden in die Studie eingeschlossen (Arch Int Med 2011; 171:1625).

Das Ergebnis nach 19 Jahren Follow-up: Viele Substanzen und ihre Kombinationen sind keineswegs die ersehnten Heilsbringer, ganz im Gegenteil. Eisen, Magnesium, Zink und Kupfer, aber auch Folsäure, Multivitaminpräparate und Vitamin B6 brachten die Probandinnen tendenziell dem Tod ein Stück näher.

40 Prozent der Studienteilnehmer sind gestorben

Insgesamt starben innerhalb des gesamten Beobachtungszeitraums 15.594 Teilnehmerinnen (40 Prozent). Der stärkste Zusammenhang ergab sich beim Eisen; hier lag der absolute Risikoanstieg bei knapp 4 Prozent (HR 1,10), für Magnesium waren es 3,6 Prozent, für Zink 3 Prozent, für Multivitaminpräparate 2,4 Prozent.

Die positive Ausnahme war Kalzium; dieses senkte die Mortalitätsrate signifikant um 3,8 Prozent (absolute Risikoreduktion; HR 0,91).

Einflüsse wie Alter, Wohnort, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, BMI, Hormonersatztherapie, körperliche Aktivität und Rauchstatus waren herausgerechnet worden.

Für Eisen wurde Abhängigkeit von der Dosis gezeigt

Der Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln war über die Jahre, in denen die Befragungen stattfanden, erheblich angestiegen (1986: 63 Prozent, 2004: 85 Prozent). Am häufigsten schluckten die Seniorinnen Kalzium, Multivitaminpräparate sowie die Vitamine C und E.

Für einzelne Supplemente, vor allem Eisen, konnte ein Zusammenhang mit der eingenommenen Dosis errechnet werden. Was nicht überrascht: Der Nutzen von Kalzium im Hinblick auf die Mortalität verlor sich ab einer Dosis von 1300 mg pro Tag.

Hängt das erhöhte Sterberisiko damit zusammen, dass viele Frauen schwer krank waren?

Hängt das erhöhte Mortalitätsrisiko, vor allem beim Eisen, womöglich damit zusammen, dass die entsprechenden Präparate vermehrt von Frauen mit schweren Erkrankungen geschluckt wurden?

Ganz lässt sich diese Möglichkeit nicht ausschließen, aber der Einwand wird - zumindest teilweise - dadurch entkräftet, dass Eisen bei Frauen, die weder an Krebs noch an einer KHK noch an Diabetes mellitus erkrankten, noch nach 19 Jahren mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert war.

Nahrungsergänzung nur bei symptomatischem Nährstoffmangel!

Die Autoren sehen letztlich keinerlei Berechtigung für die derart weitverbreitete Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.

Ihre Empfehlung: die Präparate nur noch dort einzusetzen, wo sie sinnvoll sind, nämlich bei symptomatischem Nährstoffmangel.

"Wir können Einnahme von Vitaminen als präventive Maßnahme nicht empfehlen"

In ihrem Kommentar in den Archives of Internal Medicine weisen Goran Bjelakovic von der Universität Nis in Serbien und Christian Gluud vom Universitätsklinikum Kopenhagen noch auf einen interessanten Punkt hin: Die Studie hat den Verdacht bestätigt, dass Antioxidanzien wie Vitamin E, Vitamin A und Beta-Karotin, denen man lange Zeit eine Schutzwirkung attestiert hatte, durchaus auch schädlich sein können.

Sie schlussfolgern: "Wir können die Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen als präventive Maßnahme nicht empfehlen, zumindest nicht bei einer gut genährten Bevölkerung".

Die Frage, ob Kalzium hier wirklich eine Ausnahme darstellt, muss in weiteren Studien geklärt werden; dagegen spricht unter anderen eine Metaanalyse, nach der die Einnahme von Kalziumpräparaten mit einem deutlich erhöhten Herzinfarktrisiko assoziiert ist.(MUC)

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[17.10.2011, 19:24:32]
P.-H. Volkmann 
Gefährliche Vitamine - oder lebensgefährliche Füllstoffe?
Wie immer in solchen Studien stellt sich die Frage:
Was wurde eigentlich wirklich untersucht?
Wenn Sie sich die üblichen frei verkäuflichen Vitamine oder Multivitamin-Präparate genau und mit dem entsprechenden Sachverstand ansehen,fällt neben den schönen Farb-, Aroma- und Füllstoffen dem Kundigen oft auf, daß schlecht verträgliche Chemikalien in den Präparaten mengenmäßig starkt vertreten sind.
Bei Multivitaminen muß sich selbst der Laie fragen, wie man neben wasserlöslichen Vitaminen auch fettlösliche platzieren kann - und warum es zu keinen Interaktionen zwischen Säuren und Basen in derartigen Komplexen mit restlichem Kristallwasser kommt.
Dann gibt es seit längerem nette Galeniken, die z.B. dafür sorgen, dass Vitamin C - ein wasserlösliches Vitamin, das im Magen resp. im oberen Dünndarm resorbiert wird - bis in den Dickdarm gelangt, "um dauerhaft gleichmäßig mit Vitamin C über den Tag versorgt zu sein!"
Vitamin C war noch nie im Dickdarm - und sollte dort auch nicht künstlich hingeschleppt werden. Und ein Mangel, der symtomatisch wird, ist die Skorbut, die bekanntlich erst nach Monaten absoluter Vitamin C Karenz auftritt. Allerdings kann schon ein marginaler Vitamin C Mangel Auslöser eine Gingivitis oder Parodontitis sein, wie diverse Studien belegen!
Ähnlich unsinnig sind Multi-Vitamin-Getränke! Fettlösliche Vitamine werden chemisch verändert, um nicht als Fettfilm auf dem scheußlich schmeckenden Gebräu zu stehen wie Sahne, und unser Körper soll unter einem derartigen Chemikaliencoctail nicht krank werden?
In diesem Jahr haben die Dres.Olbertz aus Troisdorf eine Parodontitis-Studie an schwersten Fällen abgeschlossen. Die Patienten waren therapieresistent, d.h. nach insgesamt 2 Jahren fachärztlicher Therapie und mindestens 4 operativen Eingriffen war die Entzündungsaktivität, gemessen an der Collagenase II bzw. aMMP-8, stark erhöht.
Innerhalb von nur 3-4 Monaten Vitamin-Spurenelemente-Omegafettsäurezufuhr und Darmsanierung waren die meisten Teilnehmer zahngesund.
Gleiches sehe ich immer wieder bei vielen chronisch Kranken, die unter einer vernünftigen Ernährung aus Frischkost in Verbindung mit einer breiten, abgestimmten Orthomolekularen Therapie mit Reinsubstanzen in wenigen Monaten gesünder oder gesund werden.
Ähnliche Verbesserungen der Lebensqualität sind selbst bei metastasierten Krebspatienten zu erreichen - wenn Reinsubstanzen eingesetzt werden und wilde Chemikaliengemische gemieden werden.
Cui bono? fragte der Lateiner, wenn er eine derartige Studie interpretieren sollte. Wem hilft´s?
Oder anders gesagt: In Deutschland ist vieles gefährlich, ungesund oder verboten, was Menschen gesund macht. Was sie krank machen kann, ist auf breiter Front für den menschlichen Verzehr zugelassen - wie z.B. die ganze Palette der E-Stoffe, vor deren Verzehr hinter vorgehaltener Hand das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt - aber die gehören ja heute zum Leben wie die modernen Krankheiten.
Ihnen alles Gute, vor allem Gesundheit und ein kluger Kopf, um selber manche Tücken in unserer Informationsgesellschaft zu durchschauen!
Mit freundlichen Grüßen!
Peter-Hansen Volkmann
www.naturheilkunde-volkmann.de








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