Ärzte Zeitung, 29.10.2011

Vorsicht vor giftigen Quallen in Australien

Reisende nach Australien: Vorsicht vor giftigen Quallen!

In Australien leben die giftigsten Tiere weltweit, und zwar sowohl an Land als auch im Meer.

Von Privatdozent Tomas Jelinek

Zu den gefährlichsten Meerestieren Australiens zählt die fußballgroße Seewespe (Chironex fleckeri) aus der Klasse der Würfelquallen. Sie tritt vor allem in den Monaten Oktober bis Juni an flachen Sandstränden der nordaustralischen Küste zwischen Broome in Western Australia (NW) und Gladstone in Queensland (NO) auf.

Bei Kontakt mit den bis zu drei Meter langen Tentakeln kann es innerhalb weniger Minuten zu schweren kardiotoxischen Symptomen bis hin zu Atemstillstand und Herzversagen kommen. In den letzten 130 Jahren starben in Australien 67 Menschen an Vergiftungen durch Seewespen.

Ebenfalls an den nördlichen Küsten Australiens kommt die mit der Seewespe verwandte, nur wenige Zentimeter große Irukandji (Carukia barnesi) vor. Nach Vernesselungen treten zunächst undramatische Hauterscheinungen auf. Dann folgen in einem Intervall von etwa 30 Minuten starke Schmerzen in Rücken, Bauch, Brust und Extremitäten, teilweise treten aber auch ernste Herz-Kreislaufsymptome auf.

Kontakt mit Tentakeln der "bluebottle" führt zu starken lokalen Schmerzen

Die portugiesische Galeere (Physalia spp., in Australien auch "bluebottle" genannt) ist sowohl an der atlantischen als auch der pazifischen Küste Australiens beheimatet. An der Ostküste kommt sie besonders in den Monaten November bis März vor. Der Kontakt mit ihren Tentakeln führt zu starken lokalen Schmerzen, auch systemische Wirkungen können auftreten, sind aber seltener tödlich.

Zur Vermeidung von Quallen-Vernesselungen sollten Australien-Reisende in den betroffenen Gebieten Schutzkleidung, sogenannte "Stinger-suits", beim Baden im Meer tragen und nur an bewachten Stränden schwimmen. Kinder sollten nur in Begleitung Erwachsener ins Wasser gehen.

Tentakel vorsichtig mit Pinzette entfernen, nicht mit den Händen

Im Falle einer Quallenvernesselung müssen Verletzte sofort aus dem Wasser geborgen werden, um ein Ertrinken zu verhindern. Bei Würfelquallen-Kontakt sollten Helfer die vernesselten Körperregionen mit Haushaltsessig, der an den meisten Stränden der betroffenen Regionen zur Verfügung steht, übergießen, um verbliebene Nesselkapseln zu inaktivieren.

Bei Verletzungen durch die Portugiesische Galeere ist es besser, die auf der Haut verbliebenen Tentakeln vorsichtig mit einer Pinzette, auf keinen Fall aber mit den bloßen Händen abzuziehen. Bei größerflächigen Vernesselungen, Allgemeinsymptomen und bei Verletzungen von Kindern sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden.

Infos zur Reisemedizin: www.crm.de

[11.11.2011, 21:10:08]
Dr. Jürgen Schmidt 
Rücksichtsloser Vetrinärmediziner amputiert und tötet verirrtes und vereinsamtes Meeresgetier
So würde ein radikaler Naturfreund den Beitrag von Herrn Grünwoldt betiteln, denn die Feuerqualle wird die Begegnung nicht lange überstanden haben.

Glücklicherweise ist das Erscheinen dieser mit der Meeresströmung* aus der Nordsee eingewanderten Feuerquallen, die sich in der Ostsee nicht vermehren, ein in der westlichen Ostsee und der Mecklenburger Bucht vorzugsweise erst gegen Ende der Badesaison auftretendes Phänomen. Schon jenseits der Darsser Schwelle, also in Vorpommern, kann man das Badewasser bis Ende Juli und meist auch im August nahezu risikolos genießen. Grundsätzlich schwimmt man jedoch besser mit dem Kopf unter Wasser und offenen Augen und erkennt somit die im fachen Wasser 30 bis 50 cm unter der Oberfläche anzutreffenden Quallen in ausreichender Entfernung, um noch schnell einen Haken zu schlagen.

Anhaltende, länger als 6-10 Stunden anhaltende Reaktionen nach einem Kontakt deuten auch beim Nichtallergiker schon auf eine Sensibilisierung hin, so dass der nächste Kontakt um so heftiger ausfallen könnte, sogar in berichteten Einzelfällen bis zum anaphylaktischen Schock - - daher diese Zeilen, denn bei einem solchen Ereignis wäre es dann doch schade um den wegen seiner kenntnisreichen Beiträge geschätzten Veterinär-"kollegen".

* Die Strömungsbedingungen sind auch für den Wassersportler, der mit dem vorzugsweise windabhängigen Wasseraustausch in der Ostsee vertraut ist, kaum prognostizierbar. Bei ruhigem Wetter unterschichtet einströmendes Salzwasser aus der Nordsee an der Oberfläche ausströmendes Ostseewasser. Bei mehr als 3 Beaufort übernimmt der Wind das Regiment und kann die Strömungen je nach Richtung verstärken oder umkehren, abhängig auch von der bestehenden Verteilung der Wassermassen und den unterschiedlichen Windrichtungen und -stärken in den Teilregionen der Ostsee. Bei Starkwind und Sturm überwiegt eine Strömungsrichtung mit lokalen vom Küstenverlauf abhängigen Geschwindigkeiten (wobei 2-3 Knoten nicht selten sind) und Gegenströmungen.

Oft bilden sich schon im Juni unter Skagen Massenansammlungen dieser feurigen Asylanten, die sich später auf eine Reise in den sicheren Tod durch Belte und Sunde begeben. Im Großen Belt, strömungsmäßig sozusagen der Schnellverbindung zur westlichen Ostsee, trifft man die Tiere eher selten an der Oberfläche. In die von flachen Gewässern umgebende Insel Anholt, mitten im Kattegatt, verirrt sich die Feuerqualle kaum, ihr Auftreten ist Anlass rascher Verbreitung unter den sich vorwiegend textillos am Strand ergehenden Seglern.

Das spontane massenhafte Auftreten der Feuerquallen an der deutschen Ostseeküste ist höchst selten, fast immer sichtet man beizeiten die Vorhut und ist dann entsprechend vorsichtig. Bei auflandigem Wind sind Ohren- und Feuerquallen an den Badestränden nicht oft anzutreffen, wobei allerdings die Feuerquallen sich öfter regelwidrig verhalten als die Ohrenquallen.

Zusammenfassend handelt es sich vorliegend um ein öfter aufzugreifendes und zu diskutierendes Thema, das vor allem den Beifall jener finden wird, denen die permanente und nicht selten belanglose Besserwisserei bekannter Agitatoren zum Halse heraus hängt. zum Beitrag »
[08.11.2011, 12:07:40]
Dr. Horst Grünwoldt 
Nesseltiere
Auch in unserer Ostsee kommt gelegentlich ein unliebsames Nesseltier, die rosarote Feuerqualle, vor.
Ich habe im Sommer 2010 als begeisteter Schwimmer die schmerzvolle Erfahrung mit einem solchen Exemplar in der Badebucht von Boltenhagen gemacht.
Nach der zufälligen "Umgarnung" mit den ca. 1m langen Nesselfäden fühlte ich mich -obwohl kein Allergiker- drei Tage lang wie mit 1000 Nadelstichen behandelt.
Natürlich hatte ich am Strand keine Essigflasche zur Abreibung dabei, sondern konnte mich nur im Sand wälzen und zu Hause mit Nivea-Lotion einschmieren.
Im Oktober des gleichen Jahres habe ich dem Institut für Ostseeforschung in Warnemünde mitgeteilt, daß an meinem Heimatstrand in Markgrafenheide ein paar Tage lang, massenhaft und ausschließlich eine Invasion von Feuerquallen zu beobachten war. Dies zum Glück außerhalb der normalen Badesaison.
Was mag uns dann erst nach dem sog. "climate change" in der verlängerten warmen Saison erwarten?
Gott-sei-Dank wird es den -wenn überhaupt- so schnell, wie von den Klima-Unken prophezeit, nicht geben!
Schließlich gibt es seit abermillionen Jahren lediglich Klima-Zonen-Verschiebungen auf unserer Mutter Erde.
Und solange die Sonneneinstrahlung (die dadurch verursachte Evaporation über den Weltmeeren und großen Gewässern) mit Wolken-Schirmbildung,
folgenden Niederschlägen (mit Verdunstungs-Kälte-Effekt) und damit der Wasserkreislauf als wichtigste Klimafaktoren funktionieren, muß nach m.E. niemand Ängste vor dem athmossphärisch minimalen CO2-Anstieg als "Treibhausgas" haben. Schließlich handelt es sich dabei um den größten Pflanzen-Nährstoff zum aufbau der Kohlenhydrate.
(Der Klima-Schwindel mit den methangas-rülpsenden Rindern und sonstigen Wiederkäuern ist ja schon längst aufgeflogen)
Achten wir also global vor allem darauf, daß unser wunderbarer CO2-Fresser und 02-Spender, die grüne Vegetation gepflegt und erhalten bleibt. Der geringe Überschuß wird dann in den Ozeanen -wie schon jetzt- als säurepufferndes HCO3 (Bikarbonat) versenkt.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (ehemaliger Masterstudent der marinen Aquakultur) aus Rostock
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